Der Milchmarkt erlebt derzeit wieder einmal turbulente Zeiten. Ohne Zweifel erleben die Marktakteure und hier vor allem die Milchbauern seit einigen Monaten eine Entwicklung, die durchaus als beispiellos eingestuft werden kann. Die Höhe der Milchanlieferung bayern-, deutschland-, EU- und weltweit sucht ebenso seinesgleichen wie der Rückgang der Milchpreise. Da werden schnell Forderungen laut, die natürlich meist überziehen, garniert nicht nur mit aktuellen Milchpreisen, sondern auch mit dramatisch anmutenden Entwicklungen von Frühindikatoren, die eben keine Milchpreise sind und auch dramatische Milchpreisprognosen vom Hörensagen, um damit bei Politik und Marktpartnern Gehör zu finden. Während die einen bereits lauthals von "Krise" sprechen, ohne selbst das Wort konkret definieren zu können resp. wollen, sehen andere - bei gleicher Betroffenheit - die Entwicklung zwar nicht als gottgegeben und auch nicht akzeptabel, aber doch als "Markt"!
In den vergangenen Tagen und Woche(n) wurde der VMB von verschiedenen Fach- und erfreulicherweise auch Allgemeinmedien um eine Einschätzung der Situation gebeten oder auch Bezug genommen auf die aktuellen Zahlen zum Milchmarkt oder Milchpreis auf der VMB-Website. Die Redaktionen des Bayerischen Rundfunks holen dabei gerne Fakten und Hintergrundinformationen beim VMB ein, um auf dieser Basis ihrer journalistischen Arbeit nachgehen zu können. In diesem Beitrag https://www.br.de/nachrichten/bayern/milchpreis-unter-druck-warum-bauern-in-muenchen-protestieren,V9a9xwz ging es nicht nur um die aktuellen Milchpreise, sondern auch um eine Einschätzung der aus Teilen der Milcherzeugerschaft massiv geforderten Marktordnungsinstrumente. Dabei sieht der VMB den freiwilligen Lieferverzicht gegen Entschädigung durchaus nicht nur kritisch, wenngleich ganz klar festgehalten werden muss: Das mögliche Instrument der Gemeinsamen Marktordnung (GMO) wird immer zu spät eingesetzt werden und per se wirkungslos bleiben: Weder wird die Politik bei noch hohe Milchpreisen dieses politisch scharfe Schwert "vorschnell" einsetzen noch werden Milcherzeuger bei vergleichsweise noch guten Milchpreisen das Angebot als attraktiv genug einschätzen, von den Mitnahmeeffekten ganz zu schweigen. Aber der freiwillige Lieferverzicht schadet zumindest der Milcherzeugerseite nicht, im Gegensatz zum viel diskutierten Art. 148 GMO, der von teilen der Milcherzeuger als Allheilmittel gesehen wird. Stellung bezogen wurde auch zur "Verklärung" der Maßnahme "Lieferverzicht gegen Entschädigung" aus dem Jahr 2016, der damals erst dann eingesetzt wurde, als die Frühindikatoren nach einem sehr langen Milchpreistal bereits wieder auf "grün" gestanden sind. Zu den gleichen Themen wurde auch sehr ausführlich der Redaktion des Münchner Merkur Daten und Fakten geliefert, um die Forderungen aus Teilen der Milcherzeugerschaft bei den Milch-Demos Ende Januar in München objektiv einordnen zu können.
Bei der Frage nach den Gründen für die gegenwärtige Markt- und Preissituation und den kurz- und mittelfristigen Perspektiven wurde auch gegenüber der Fachzeitschrift topagrar Stellung bezogen https://www.topagrar.com/rind/aus-dem-heft/marktlage-der-kampf-um-milch-wird-bleiben-a-20022588.html und vor allem darauf hingewiesen, dass perspektivisch Milch gesucht wird, also ein Verkäufermarkt entstehen wird und somit die Position der Milcherzeuger eine andere sein wird als in den vergangenen Jahrzehnten. Gleichwohl ist die unkalkulierbare Kostenentwicklung als relativierendes Negativum zu nennen, weil vor allem über den gesetzlichen Standard hinausgehende Anforderungen an Erzeugung und Verarbeitung von der Verbraucherschaft am Markt immer weniger honoriert werden, allen Beteuerungen zum Trotz.
Ganz erfreulich ist auch, das die Bayernredaktion der Süddeutschen Zeitung in jüngster Zeit bei ihrer Berichterstattung auf die VMB-Website mit den Markt- und Preisanalysen verwiesen hat https://www.sueddeutsche.de/bayern/bayern-muenchen-milchbauern-preisverfall-existenzangst-li.3376931, die auch für kritische Stimmen als belastbar und objektiv angesehen wurden. Gleiches gilt für den online nicht frei zugänglichen Bericht zum Biomilchmarkt vor wenigen Tagen https://www.sueddeutsche.de/bayern/bayern-landwirtschaft-milch-bio-li.3380808?reduced=true.