Gesunde Klauen sind eine wesentliche Voraussetzung für Tierwohl, Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit in der Rinderhaltung. Obwohl die wichtigsten Ursachen von Klauenerkrankungen sowie wirksame Präventions- und Behandlungsmaßnahmen wissenschaftlich gut untersucht sind, gelingt die nachhaltige Umsetzung dieser Erkenntnisse in der Praxis häufig nur eingeschränkt. Gründe hierfür sind unter anderem fehlende betriebsindividuelle Unterstützung sowie ein begrenzter Zugang zu spezialisiertem Fachwissen.
Ziel des Projektes ist die Entwicklung einer Telemedizin-Plattform, die Rinderhalterinnen und Rinderhalter bei der Früherkennung, Vorbeugung und Bekämpfung schmerzhafter Klauenerkrankungen unterstützt. Die digitale Anwendung ermöglicht es, betriebliche Risikofaktoren systematisch zu erfassen und auszuwerten. Auf dieser Grundlage werden individuelle Empfehlungen zur Verbesserung der Klauengesundheit erstellt.
Darüber hinaus bietet die Plattform die Möglichkeit, sich bei Bedarf direkt mit Fachkräften zu vernetzen und Unterstützung bei der Umsetzung geeigneter Maßnahmen zu erhalten. Dadurch werden wissenschaftliche Erkenntnisse und praxisrelevantes Expertenwissen unmittelbar für den landwirtschaftlichen Betrieb nutzbar gemacht.
Mit dem Projekt entsteht ein anwenderfreundliches Telemedizin-Tool, das Tierhaltende bei einem zielgerichteten Klauengesundheitsmanagement unterstützt, die Entscheidungsfindung im Betrieb verbessert und einen nachhaltigen Beitrag zur Reduzierung von Klauenerkrankungen sowie zur Förderung des Tierwohls leistet.
Das Projekt wird im Rahmen des GAP-Strategieplans Deutschland 2023–2027 im Freistaat Bayern umgesetzt. Die Förderung erfolgt durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft „Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit“ (EIP-Agri) und wird von der Europäischen Union kofinanziert.
Mehr dazu hier
VMB/KI
Die Aufzucht von Kälbern und Jungrindern legt den Grundstein für Gesundheit, Tierwohl und Leistungsfähigkeit über die gesamte Lebensdauer der Tiere. Dennoch fehlen insbesondere nach dem Absetzen bislang praxistaugliche Instrumente, um Gesundheits- und Tierwohlparameter systematisch zu erfassen, auszuwerten und daraus konkrete Maßnahmen abzuleiten.
Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines Labormusters einer sprachgesteuerten Handy-App zur einfachen Erfassung tierbezogener Parameter bei Kälbern und Jungrindern. Die App ermöglicht eine digitale Dokumentation direkt während der Stallarbeit und analysiert die erfassten Daten in Echtzeit. Mithilfe einer integrierten Schwachstellenanalyse, eines Ampel-Warnsystems sowie eines betriebsspezifischen Maßnahmenkatalogs werden Ursachen für Gesundheits- und Tierwohlprobleme frühzeitig erkannt und konkrete Handlungsempfehlungen bereitgestellt.
Durch die Verknüpfung von Monitoring, Ursachenanalyse und Maßnahmenplanung sollen Tierhaltende dabei unterstützt werden, Gesundheitsstörungen frühzeitig zu vermeiden, das Tierwohl nachhaltig zu verbessern und die Grundlage für langlebige und leistungsfähige Tiere zu schaffen.
Die Förderung erfolgt durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft „Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit“ (EIP-Agri) und wird von der Europäischen Union kofinanziert.
Mehr dazu hier
VMB/KI
Aufbauend auf den Erfahrungen aus DigiMilch startet mit DigiMilchPro nun die nächste Projektphase zur Digitalisierung der Milchviehhaltung. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gefördert und läuft bis September 2028. DigiMilchPro untersucht den Einsatz digitaler Technologien, künstlicher Intelligenz, optimierten Datenmanagements und vernetzter Geräte, um Tierwohl, Betriebsabläufe und Weidemanagement in der Milcherzeugung zu verbessern.
Praxisnah werden Lösungen in familiengeführten Milchviehbetrieben getestet: Von der automatisierten Erfassung von Tiergesundheit und Hitzebelastung über die Vernetzung von Felddaten und Ertragszonen bis hin zu virtuellen Weidezäunen und automatischen Melksystemen. Dabei werden Einsatzerfahrungen der Landwirte dokumentiert, Lücken identifiziert und gemeinsam mit Industrie- und Forschungspartnern neue digitale Tools entwickelt.
Mit DigiMilchPro wird das Netzwerk aus Forschung, Praxis und Industrie weiter ausgebaut, um Landwirtinnen und Landwirte direkt bei der Arbeit zu unterstützen – effizient, digital und am Wohl von Mensch und Tier ausgerichtet.
VMB/KI
Das Forschungsprojekt Calf and Heifer Net (CHN) entwickelt ein integriertes Daten- und Informationsmanagementsystem für Kälber und Färsen, das erstmals die Datenkette von der Geburt bis zur Milchkuh vollständig schließt. Ziel ist es, die Tiergesundheit frühzeitig zu überwachen, Krankheiten schneller zu erkennen und das genetische Potenzial der Tiere optimal zu nutzen. Über ein Netzwerk aus Sensoren, automatischen Fütterungs- und Wiegesystemen sowie innovativer Datenanalyse werden tierindividuelle Gesundheits- und Entwicklungsdaten kontinuierlich erfasst und ausgewertet. Ein intelligentes Entscheidungsnetzwerk liefert den Landwirtinnen und Landwirten in Echtzeit präzise Handlungsempfehlungen – etwa zur Früherkennung von Krankheiten oder zur Zuchtauswahl.
Durch die enge Verknüpfung von Tierdaten, Metabolomics-Analysen und KI-basierten Algorithmen entsteht ein praxisnahes Werkzeug, das das Gesundheits- und Haltungsmanagement verbessert, Arbeitsabläufe erleichtert und die Tiergesundheit nachhaltig stärkt.
Mehr dazu hier.
VMB/KI
Im Projekt TreFKla wurde eine intelligente Stall-/Laufmatte entwickelt, die die Klauengesundheit von Milchkühen hochpräzise erfasst. Ziel ist es, Früherkennung und entsprechende Behandlungsmaßnahmen von Klauenkrankheiten zu ermöglichen und hierdurch das Tierwohl stärken und wirtschaftliche Verluste für Milchviehbetriebe zu verringern.
Die innovative Matte nutzt hochsensitive Sensoren auf Basis von Kohlenstoffnanoröhrchen, misst die Druckverteilung der Klauen in Echtzeit und wertet die Daten über ein eigens entwickeltes Relaxationsspektroskopie-Verfahren aus. So lassen sich gesunde und erkrankte Klauen zuverlässig differenzieren. Durch die Integration in Melkroboter und Laufgänge können Kühe mehrmals täglich gemessen werden, ohne den Betriebsablauf zu stören.
Die gewonnenen Messwerte lassen sich mit weiteren tierspezifischen Daten kombinieren und in Herdenmanagementsysteme einbinden. Damit unterstützt TreFKla Tierärztinnen, Klauenpfleger und Landwirtinnen und Landwirte bei fundierten Entscheidungen und verbessert nachhaltig die Tiergesundheit. Erste Tests in Labor- und Praxisversuchen konnten die Funktionsweise und Belastbarkeit der Matte erfolgreich validieren.
Die Projektlaufzeit war von 01.10.2020 bis 31.12.2023. Nach Abschluss des Projekts steht die sensorische Stallmatte für Smart-Farming-Anwendungen bereit und kann flexibel in verschiedenen Betriebsgrößen und -formen eingesetzt werden.
Mehr dazu hier.
VMB/KI
Im Forschungsprojekt DigiMuh wurde ein intelligentes Frühwarn- und Gesundheitsmonitoringsystem entwickelt, das tierindividuellen Hitzestress bei Milchkühen frühzeitig erkennt und gezielte Gegenmaßnahmen ermöglicht. Ziel ist es, Tierwohl, Tiergesundheit und Nutzungsdauer zu verbessern – und gleichzeitig den Arbeitsaufwand und die Kosten für Landwirtinnen und Landwirte zu reduzieren.
DigiMuh vernetzt stall- und tierspezifische Daten aus verschiedensten digitalen Anwendungen über herstellerübergreifende Schnittstellen zu einem integrierten Entscheidungsunterstützungssystem. Sensoren im Stall und an den Tieren erfassen Klima-, Vital- und Leistungsdaten, die in einer innovativen IoT- und Datenplattform analysiert werden. Auf dieser Basis erstellt DigiMuh tierindividuelle Prognosen und Handlungsempfehlungen, die über eine App oder PC-Anwendung in Echtzeit verfügbar sind.
Neben der kurzfristigen Prävention von Hitzestress liefert das System wertvolle Erkenntnisse für eine züchterische Verbesserung der Hitzestresstoleranz und trägt somit langfristig zu einer nachhaltigeren und tiergerechteren Milchviehhaltung bei.
Mehr dazu hier.
VMB/KI
Mit IQexpert wird ein auf künstlicher Intelligenz basierendes Expertensystem für das Eutergesundheitsmanagement in Milchviehbetrieben entwickelt. Ziel ist es, die Vielzahl wissenschaftlicher Erkenntnisse praxisnah umzusetzen und gleichzeitig einen verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika zu fördern.
Das System bündelt und analysiert tiergesundheitsrelevante Daten – von Milchkontrolle, Laboruntersuchungen, Schalmtestergebnissen und Sensorik bis hin zu genetischen Analysen wie GenoCell®. Auf dieser Grundlage erstellt IQexpert handlungsorientierte Empfehlungen, insbesondere für das selektive Trockenstellen von Kühen. Ein digitaler Entscheidungsbaum übernimmt die komplexe Datenanalyse und unterstützt Landwirtinnen, Landwirte sowie Tierärztinnen und Tierärzte bei fundierten Entscheidungen.
Über eine App und Web-Anwendung ist IQexpert leicht zugänglich und wird durch bildbasierte Tieridentifikation und die Vernetzung relevanter Datenbanken ergänzt. Bereits in 20 Pilotbetrieben in Bayern und Baden-Württemberg wurde das System getestet, um die Anwendung praxisnah zu optimieren. Dabei konnten Einsparpotenziale von 20–50 % bei antibiotischen Trockenstellern erreicht werden, ohne die Eutergesundheit der Tiere zu gefährden.
Seit Herbst 2024 steht die digitale Entscheidungshilfe für alle teilnehmenden Betriebe über das Pro Gesund-Modul im LKV-Herdenmanager zur Verfügung. IQexpert verknüpft damit Forschung, Digitalisierung und Praxis, erleichtert das Management der Eutergesundheit und trägt zu einer nachhaltigeren und tiergerechteren Milchviehhaltung bei.
Mehr dazu hier.
VMB/KI
Das Projekt GfE 2023 – Neue Versorgungsempfehlungen für Milchkühe markiert einen grundlegenden Wandel in der Milchkuhernährung. Ziel ist es, die Energie- und Nährstoffversorgung auf den neuesten wissenschaftlichen Stand zu bringen und damit Tiergesundheit, Leistung und Umweltwirkung noch besser miteinander zu verbinden.
Die Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) hat ihre bisherigen Empfehlungen aus dem Jahr 2001 vollständig überarbeitet. Kernpunkte der neuen Grundlagen sind die Einführung der Umsetzbaren Energie (ME) zur Bewertung der Energieversorgung sowie des dünndarmverdaulichen Proteins (sidP) und der dünndarmverdaulichen Aminosäuren (sidAA) im Bereich der Proteinbewertung. Damit können Futterwerte und Rationen künftig präziser und tiergerechter berechnet werden.
Die Umsetzung der neuen Empfehlungen erfolgt bundesweit in enger Zusammenarbeit zwischen GfE, DLG, Landesanstalten und Beratungseinrichtungen. Neue Leitfäden (DLG-Merkblätter 503 und 504), aktualisierte Futterwerttabellen sowie angepasste Rationsberechnungsprogramme bilden die Basis für eine einheitliche und praxisgerechte Anwendung.
Am LAZBW wird die Einführung der GfE-Empfehlungen im Rahmen des Projekts GfE2023BW begleitet. Ziel ist es, durch gezielten Wissenstransfer die neuen Grundlagen in Ausbildung, Beratung und Praxis zu verankern und die Betriebe Schritt für Schritt in der Umsetzung zu unterstützen.
Mehr zu den neuen Bewertungssystemen und ihrer praktischen Umsetzung hier:
https://gfe-frankfurt.de/
https://www.dlg.org/landwirtschaft/tierhaltung/futtermittelnet/fachinfos-rinder
https://lazbw.landwirtschaft-bw.de/,Lde/Startseite/Themen/Empfehlungen+GfE
Mit Q Check soll der Status quo von Tiergesundheit bzw. Tierwohl aller deutschen Milchkühe regelmäßig erfasst werden. Das kontinuierliche Erheben der Indikatoren ermöglicht es, die aktuelle Entwicklung von Tiergesundheit bzw. Tierwohl auf Landes- und Bundesebene zusammenzufassen und zu veröffentlichen.
Pro Gesund war eines der längsten Projekte am Institut für Tierzucht an der LfL. In mehr als zehn Jahren wurden Meilensteine im bayerischen Rindermonitoring gesetzt, Gruppierungen vernetzt und Strukturen für Datenaustausch geschaffen.
Ziel des Projektes
Ziel des Projektes war es, die Milchviehbetriebe beim Herdengesundheitsmanagement und die Tierärzte bei der integrierten Bestandsbetreuung zu unterstützen, sowie die Schätzung von Gesundheitszuchtwerten für Besamungsbullen. Wichtig war deshalb von Beginn an, dass sowohl Landwirte als auch Tierärzte bei Pro Gesund mitmachen können. Eine immense Erleichterung für den Landwirt hat dabei die Einführung der Erfassung von Beobachtungen mit der LKV-App. Somit wurde neben der Eingabe im LKV-Herdenmanager eine weitere Option zur zeitnahen und im Betriebsalltag praktikablen Dateneingabe geschaffen.
Die Laufzeit des Projektes: Oktober 2009 bis Ende 2019. Finanzieller Träger war über den gesamten Projektzeitraum das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
Projekt Status: Seit dem 01.01.2020 ist das Pro Gesund beim LKV Bayern e.V. angesiedelt.
optiKuh
Im Projekt "optiKuh" hatten sich 15 Partner zusammengeschlossen, um gemeinsam der Frage nachzugehen, wie sich Tiergesundheit und Tierwohl in der Milchproduktion weiter verbessern lassen, das Klima geschont und zugleich die Wirtschaftlichkeit gesteigert werden kann. Anschließend haben sich drei der damaligen Projektpartner weiteren und vertiefenden Untersuchungen im Rahmen von "optiKuh2" gewidmet.
optiKuh 2
Im Projekt "optiKuh2" wurden von September 2019 bis November 2021 weitere Verbesserungen für die Milchkuh erforscht und in der Praxis realisiert. Dafür wurden die Bereiche Fütterung, Zucht und Tiergesundheit umfassend beleuchtet. Das Projekt wurde vom Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft der LfL in Grub koordiniert und vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) finanziell unterstützt.
D4Dairy - Digitalisation, Data integration, Detection and Decision support in Dairying
Das transdisziplinäre, branchenübergreifende COMET-Projekt D4Dairy hat sich zum Ziel gesetzt, digital unterstütztes Management für Milchbetriebe weiterzuentwickeln, das durch datengestützte, vernetzte Informationssysteme zu einer weiteren Verbesserung der Tiergesundheit, des Tierwohls und der Produktqualität beiträgt. Von 31 Wirtschaftspartnern und 13 Wissenschaftspartnern wurde von Oktober.2018 bis September 2022 an diesem komplexen und interdisziplinären Projekt gearbeitet.
Arbeitsintensiv, körperlich anstrengend und wenig digital – so sieht die Arbeit auf einem familiengeführten Milchviehbetrieb oft aus. Im Projekt DigiMilch wurden von 2019 bis 2024 existierende digitale Lösungen für die Prozesskette Milcherzeugung auf ihre Eignung geprüft, Einsatzerfahrungen der Landwirte erfasst und bestehende Lücken oder Defizite der smarten Lösungen aufgezeigt. Darüber hinaus wurden in Zusammenarbeit mit Start-ups neue Produkte entwickelt und getestet. Gefördert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).
Auf Basis vernetzter Daten aus innovativer (Klima-)Sensortechnik sowie der Milchleistungsprüfung werden mit RiskFiT seit dem 01.02.2021 Risikoprognosen für Fitness- und Tierwohlindikatoren in Bayern entwickelt. Die geplanten Risikoprognosen bieten die Chance, kritische Zustände von Kühen früher und besser zu erkennen. Die Verbesserung von Fitness, Tierwohl und Tiergesundheit ist wichtig für eine nachhaltige Nutztierhaltung. Tierhalter können so schneller reagieren und die LKV-Berater können die Betriebe bei Bedarf gezielt unterstützen. Neben den Risikoprognosen und Handlungsempfehlungen werden die zusätzlichen Daten verwendet, um die Zucht auf Gesundheit und Robustheit unserer Kühe weiter zu verbessern.
Neben dem LKV Bayern e. V. ist die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) an dem Projekt beteiligt. Die Förderung des Vorhabens „RiskFiT“ erfolgt aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF).
Das Projekt ReMission Dairy verfolgte das Ziel, ein innovatives Fütterungscontrolling und -management zu entwickeln, um die Methan- und Stickstoffemissionen in der Milchproduktion zu senken.
Ausgangspunkt ist die EU-Klimapolitik, die eine deutliche Reduktion von Treibhausgasen fordert und die Landwirtschaft als relevante Quelle für Methan- und Stickstoffemissionen in die Verantwortung nimmt.
Dazu wurden in rund 30 Betrieben in Sachsen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Baden-Württemberg MLP-Daten mittels MIR-Spektroskopie analysiert. Gemeinsam mit Informationen zu Futterrationen und Untersuchungsergebnissen fließen diese Daten in einen zentralen Pool. Auf dieser Basis lassen sich Kennzahlen wie Futtereffizienz, Stickstoffnutzungseffizienz und Methanausscheidung berechnen.
Die gewonnenen Werte dienen sowohl der Optimierung der Fütterung als auch der Ermittlung von Einsparpotenzialen. Über eine mobile Webplattform stehen sie den Landwirten praxisnah zur Verfügung und ermöglichen ein eigenständiges Fütterungsmanagement und -controlling. Durch eine höhere betriebliche Effizienz werden Energieverluste reduziert und die Umweltbelastung jedes einzelnen Betriebs nachhaltig gesenkt – ein Gewinn für Landwirte und Umwelt gleichermaßen.
Darüber hinaus ist ReMission Dairy eng mit dem Projekt eMissionCow verknüpft, das unter anderem untersucht, wie Methan- und Stickstoffemissionen auch züchterisch auf Einzeltierbasis beeinflusst werden können.
Genauere Informationen zu den entwickelten Parametern finden Sie hier.
Im Projekt "CO2-Fußabdruck Milch und Rindfleisch in Bayern" wurde von 09.2021 bis 12.2022 für rund 300 bayerische Milchviehbetriebe der CO2-Fußabdruck pro kg Milch berechnet. Um den in Bayern üblichen Zweinutzungsrassen gerecht zu werden, wurde dabei der Beitrag der Milchviehhaltung zur Produktion von Rindfleisch berücksichtigt, indem die entstehenden Treibhausgas-Emissionen auf die Koppelprodukte Milch und Rindfleisch aufgeteilt wurden. Das Projekt diente auch als Pilotprojekt zur effizienten, teilautomatisierten Erfassung der für eine THG-Bilanzierung notwendigen Daten, sowie deren datenbank-basierter Verarbeitung und wurde von StMELF und mehreren Kooperationspartnern finanziert.
Aus dem Hauptprojekt „THG-Minderung in der Landwirtschaft“ ist die von der LfL entwickelte Onlineanwendung „LfL Klima-Check“ zur THG-Bilanzierung des landwirtschaftlichen Betriebes entstanden. Im kostenlosen und frei zugänglichen Programm sind für die Produktionsverfahren aus Marktfruchtbau, Futterbau und Tierhaltung Kalkulationswerte hinterlegt. Änderungen der Vorbelegungswerte lassen Anpassungen für den jeweiligen Betrieb jederzeit zu. Der Klima-Check Landwirtschaft baut auf der bewährten Internetanwendung LfL-Deckungsbeiträge und Kalkulationsdaten auf.
Das Verbundvorhaben InnoRind hat zum Ziel, das Tierwohl in der deutschen Rinderhaltung zu verbessern. Die bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) ist mit je einem Teilprojekt im Bereich Mastrinderhaltung und im Bereich Kälberhaltung beteiligt. Neben Tierverhalten, -gesundheit und Tierwohl werden vom 01.05.2021 bis 31.07.2025 die Themenfelder Umweltwirkungen, Wirtschaftlichkeit sowie Arbeitswirtschaft behandelt. Dazu beschäftigt sich das Projekt mit der Haltung von Kälbern, Masttieren sowie Milchvieh. Schließlich sollen aus den Untersuchungen Empfehlungen für die landwirtschaftliche Praxis erarbeitet werden.
Das Projekt InnoRind ist ein Verbundvorhaben, das durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestags gefördert wird. Projektträger ist die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Insgesamt sind zwölf deutsche staatliche Forschungseinrichtungen mit eigenen Versuchsbetrieben beteiligt. Auf diesen sollen innovative Stallbau- und Haltungsmaßnahmen praktisch erforscht und mit Hilfe wissenschaftlicher Begleitung umfassend bewertet werden.
Mehr zum Projekt auf der Website der LfL
Mehr zum Projekt auf der Website der Christian-Albrechts-Universität Kiel
Das Verbundprojekt "Modellierung der N-Ausscheidung von Milchrindern zur Verbesserung der nationalen Emissionsinventare und der einzelbetrieblichen Einschätzung" (kurz: MoMiNE) wird durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) vom 01.10.2022 bis zum 31.10.2025 gefördert. Ziel des Projekts ist die Verbesserung des Tierwohls und die Verminderung von negativen Umweltwirkungen durch eine Optimierung der Proteinversorgung in der deutschen Milchkuhfütterung. Das Forschungsvorhaben soll klären, wie sich die Versorgung von Milchkühen mit (nutzbarem) Rohprotein in den vergangenen Jahren in Deutschland verändert hat und welche Effekte dies auf die Emissionen von Ammoniak hat. Darüber hinaus sollen Ansätze zur verbesserten Abschätzung hinsichtlich der Emissionen erarbeitet und mögliche Minderungsmaßnahmen abgeleitet werden. Ergebnisse liegen nach Auswertung aller Daten vor und werden nach Projektende veröffentlicht.
Eine züchterisch verbesserte Futtereffizienz beim Milchrind führt zum einen zu einer verbesserten Produktionseffizienz der Milcherzeugung und stellt zum anderen eine Maßnahme zum aktiven Klimaschutz dar, da bei einer höheren Futtereffizienz geringere Treibhausgas (THG)-Emissionen je Produkteinheit entstehen. Darüber hinaus könnte eine Zucht auf geringeren Methanausstoß einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Zielsetzung: Das übergeordnete Projektziel ist die Zucht auf Futteraufnahme, Futtereffizienz und verminderte Methanemissionen in den deutschen Rinderpopulationen. Ein wesentlicher Grundstein sind hier die präzisen, einzeltierbezogenen Daten aus den Versuchsbetrieben. Durch diese differenzierte Phänotypisierung soll die Erarbeitung von Grundlagen zu effizienzorientierten Zuchtstrategien (Anpaarung und Zuchtauswahl) erfolgen. Für die Etablierung einer Zuchtwertschätzung muss jedoch eine größere Datenbasis mit höherer Tierzahl geschaffen werden.
Ziel des Forschungsprojekts mit acht teilnehmenden Grünlandbetrieben im Oberallgäu und mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern war zu erarbeiten, wie eine zukunftsfähige, umwelt- und klimawirksame Grünlandwirtschaft funktionieren kann. Die landwirtschaftlichen Betriebe wurden als eigene Ökosysteme angesehen und entsprechend wurde auch die Weidehaltung im gesamten Kreislauf betrachtet.
Im Rahmen dieses Projektes wurde eine ganzheitlich geplante Beweidung praktiziert ("Holistic Planned Grazing") sowie eine gezielte Förderung des Bodenlebens. Beide Maßnahmen unterstützen eine hohe Biodiversität, Struktur- und Nutzungsvielfalt. Für die CO2-Bindung sind vor allem die Wurzelsysteme der Gräser von Bedeutung. Das Projekt überprüft die These, dass grasende Milchkühe einen Wachstumsimpuls in den Graswurzeln auslösen, sodass die Wurzelmasse zunimmt und viel Kohlenstoff gebunden werden kann. Das Projekt wurde 2023 abgeschlossen.
Das Projekt KUHproKLIMA wurde gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER).
Kaseine in der Milch
Das Kuhmilcheiweiß setzt sich zu 80 Prozent aus Kaseinen und zu rund 20 Prozent aus Molkeneiweiß zusammen. Beta-Kasein ist innerhalb der Kaseineiweiße mit rund 30 Prozent der zweitwichtigste Bestandteil. Durch Mutationen sind im Laufe der Stammesgeschichte des Rindes verschiedene Varianten von Betakasein entstanden. Derzeit sind 15 solche Varianten bekannt. Die Beta-Kaseine A1 und A2 sind dabei bei unseren Rindern die weitaus häufigsten Varianten. Wesentlich seltener kommen die Varianten A3 (A2-ähnlich), B (A1-ähnlich), C (A1-ähnlich) und I (A2-ähnlich) vor. Die Frequenz des A2 Allels liegt derzeit bei Fleckvieh bei rund 60 bis 65 Prozent, bei Holsteins zwischen 60 und 70 Prozent und bei Braunvieh zwischen 80 bis 85 Prozent. Es gibt Rinderrassen wie das Guernsey oder Jersey Rind mit sehr hohen A2 Frequenzen bzw. Rassen wie die Norwegischen Roten mit sehr hohen A1 Frequenzen.
Hypothesen ab Ende der 90er Jahre
Die Diskussion um A1 bzw. A2 begann bereits Ende der 90er Jahre. Dreh- und Angelpunkt der Diskussion ist ein Stoff, der beim Abbau von A1 Milch im Verdauungstrakt entsteht: Beta-Casomorphin 7 (BCM-7). Dieser Stoff wird beim Abbau von A2 Milch nicht oder nur in sehr geringen Mengen gebildet. BCM-7 wurde zunächst mit einem erhöhten Risiko für die Entstehung von Krankheiten wie Typ1 Diabetes, Herzinfarkt und Autismus in Verbindung gebracht. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das deutsche Max-Rubner-Institut haben in den Jahren 2009 bzw. 2016 die betreffenden Studien geprüft und kamen zu dem Schluss, dass es keine wissenschaftlich belegten Zusammenhänge zwischen dem Konsum von A1 Milch und den genannten Erkrankungen gibt.
Strategien für eine klimafitte Milchviehhaltung
Ziel des breit angelegten Projekts KlimaCo war es, die drei bedeutendsten Rinderrassen in Deutschland gezielt für die Herausforderungen des Klimawandels zu rüsten. Rinderzüchter aus Baden-Württemberg spielten dabei eine zentrale Rolle.
Im Fokus standen zwei zentrale Aspekte: Zum einen sollte durch züchterische Maßnahmen die Effizienz der Milch- und Fleischproduktion verbessert werden, um deren Klima- und Umweltbelastung zu reduzieren. Besonders wichtig war hierbei die systemische Betrachtung von Milch- und Fleischerzeugung – etwa durch Doppelnutzung oder Gebrauchskreuzungen – als Beitrag zum Klimaschutz.
Zum anderen wurde gezielt an der Anpassungsfähigkeit der Tiere an den Klimawandel gearbeitet. So wurde die Zucht auf robuste Tiere mit höherer Hitzetoleranz forciert. Darüber hinaus beschäftigte sich das Projekt mit dem noch jungen Konzept der Resilienz bei Milchkühen – also der Fähigkeit, sich nach Belastungen wie Stress oder Krankheit rasch zu erholen. Dieses innovative Zuchtziel wird auch international erst seit Kurzem intensiver erforscht.
Mit KlimaFit wurde ein wichtiger Grundstein gelegt: Das Projekt liefert neue Erkenntnisse und Werkzeuge, die es Landwirtinnen und Landwirten ermöglichen, Tiere gezielt auszuwählen, die sowohl klimaangepasst als auch umweltfreundlich in der Zucht eingesetzt werden können.
Mehr dazu hier.
Im Projekt MethaBreed werden umfassende genetische Analysen durchgeführt, um Milchkühe gezielt auf reduzierte Methanemissionen zu züchten. Dabei werden auch CO₂-Emissionen berücksichtigt, sofern relevante phänotypische Unterschiede in den Sniffer-Daten erkennbar sind. Das Projekt verbindet Methanreduktion mit Aspekten wie Futtereffizienz, Tiergesundheit und dem Pansenmikrobiom.
Im Fokus stehen zwei zentrale Aspekte: Zum einen sollen die Potenziale und Grenzen der Zucht auf verminderte Methanemissionen in Praxisbetrieben ermittelt und erste Schritte für eine wissenschaftlich fundierte Umsetzung eingeleitet werden. Besonders untersucht werden die Wechselwirkungen zwischen Methanproduktion, Stoffwechselstabilität, Futtereffizienz und Tiergesundheit. Zum anderen soll die Mikrobiomanalyse dazu beitragen, die Rolle des Pansenmikrobioms besser zu verstehen, da das Genom der Milchkuh nur indirekt Einfluss auf die Methanogenese hat.
Eine großangelegte Langzeitstudie auf Praxisbetrieben liefert die dafür notwendige Datenbasis. Tierindividuelle Merkmale werden über den gesamten Laktationsverlauf und über mehrere Laktationen hinweg erfasst. Mithilfe moderner Technologien werden Methanemissionen, Futteraufnahme, Tiergewicht und Stoffwechselparameter kontinuierlich dokumentiert, wodurch auch die Futtereffizienz berechnet werden kann.
Ein zentrales Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines neuen Zuchtwerts für Methanemissionen. Dieser ermöglicht es Zuchtorganisationen und Landwirten, gezielt Tiere mit geringerer Methanproduktion auszuwählen und anzupaaren. Gleichzeitig wird die bestehende Zuchtwertschätzung für Futtereffizienz weiter optimiert.
Mit den Erkenntnissen aus MethaBreed wird ein entscheidender Beitrag zur nachhaltigen Milchviehhaltung geleistet. Das Projekt liefert neue Werkzeuge und Daten, die eine klimafreundlichere, ressourcenschonende und gesunde Nutztierhaltung ermöglichen.
VMB/KI
Wie kann Landwirtschaft aktiv zum Klimaschutz beitragen? Eine zentrale Stellschraube ist die Steigerung der Energieeffizienz. Im Rahmen des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekts „Klimaschutz durch Steigerung der Energieeffizienz in der Landwirtschaft“ wurden landesweit praktische Einsparpotenziale und Erfolgsbeispiele aufgezeigt.
Unter der Federführung der Landesanstalt für Landwirtschaft, Ernährung und Ländlichen Raum (LEL) Schwäbisch Gmünd und mit Beteiligung des Instituts für Landtechnik und Tierhaltung (ILT) der LfL Bayern führten neun Beratungsorganisationen Energieeffizienzanalysen in 18 landwirtschaftlichen Leuchtturmbetrieben durch. Dabei konnten über 30 Maßnahmen zur Energieeinsparung identifiziert werden – mit beeindruckenden Ergebnissen:
Besonders große Einsparpotenziale für Milchviehbetriebe zeigten sich beim Melken, Kühlen, Reinigen und Beleuchten – etwa durch den Einsatz von Frequenzsteuerungen, Wärmerückgewinnung oder LED-Technik.
Das Projekt verdeutlicht, wie Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit Hand in Hand gehen: Energieeffiziente Betriebe sparen nicht nur CO₂, sondern auch bares Geld – ein wichtiger Schritt für eine zukunftsfähige Landwirtschaft.
Mehr dazu hier.
VMB/KI
Im EIP-Agri-Projekt CO₂-Kuh wird untersucht, wie Milchproduktion und Klimaschutz durch gezieltes Grünlandmanagement verbunden werden können. Im Fokus steht die Frage, wie sich Kohlenstoff im Boden messbar erhöhen lässt und welche Rolle digitale Methoden, Bodendaten und standortangepasste Bewirtschaftung dabei spielen.
Auf rund 900 Hektar Praxisfläche werden unterschiedliche Düngestrategien und Bewirtschaftungsvarianten in Grünlandversuchen getestet. Ergänzt wird dies durch digitale Werkzeuge wie Ertragszonenkarten, Fernerkundungsdaten und systematische Bodenanalysen.
Ziel ist es, Zusammenhänge zwischen Bodenparametern, Pflanzenwachstum, Ertrag und Kohlenstoffspeicherung wissenschaftlich zu erfassen und in der Praxis nutzbar zu machen. Die Auswertung erfolgt in Zusammenarbeit mit Forschungspartnern und basiert auf einem umfassenden Monitoring von Boden, Biomasse und Ertragsdaten.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Bewertung des Humusaufbaus als langfristige Kohlenstoffsenke im Grünland. Dabei wird untersucht, wie Management, Düngung und Standortbedingungen die Klimawirkung beeinflussen.
Die Ergebnisse sollen in praxisnahe Empfehlungen für Landwirte überführt werden, um Produktivität, Bodenfruchtbarkeit und Klimaschutz gemeinsam zu verbessern.
Weitere Informationen finden sie hier: https://farmtastic.consulting/de/eip-projekte/
© farmtastic consulting GmbH / Poschinger-Bray’sche Güterverwaltung
Eine neue Studie der LMU München kommt zum Schluss, dass A2-Milch gegenüber A1-Milch keine Vorteile für die menschliche Ernährung hat, jedoch Milch generell eine entzündungshemmende Wirkung im Verdauungstrakt aufweist.
Die Studie untersucht die Auswirkungen von A1-Milch, A2-Milch und dem Peptid β-Casomorphin-7 (BCM-7) auf die Zellvermehrung menschlicher Immunzellen im Blut, sogenannter peripherer mononukleärer Blutzellen (PBMCs). PBMCs spielen eine zentrale Rolle im Immunsystem, indem sie an der Erkennung und Bekämpfung von Infektionen beteiligt sind. Dazu gehören Lymphozyten (wie T-Zellen, B-Zellen und natürliche Killerzellen) sowie Monozyten.
Hintergrund
A1- und A2-Milch unterscheiden sich in ihrer Aminosäuresequenz, was zu unterschiedlichen Verdauungsprodukten führt. β-Casomorphin-7, ein Peptid, das aus A1-Milch freigesetzt wird, hat opioidähnliche Eigenschaften, die potenziell das Immunsystem beeinflussen könnten.
Studiendesign
A1- und A2-Milch wurden von jeweils drei Kühen gewonnen, die reinerbig für das A1- oder A2-β-Kasein waren. Die Kühe wurden unter gleichen Bedingungen gehalten und erhielten die gleiche Ernährung. Die Milchproben wurden unter Laborbedingungen „verdaut“, um die Freisetzung von BCM-7 bei der Verdauung von A1 Milch im menschlichen Körper zu simulieren. Unverdaute und verdaute A1 sowie A2 Milch wurden zu den PBMCs hinzugefügt, um deren Einfluss auf die Zellvermehrung der Immunzellen zu untersuchen.
Ergebnisse
Zusammenfassung
Insgesamt deutet die Studie darauf hin, dass die Unterschiede zwischen A1- und A2-Milch in Bezug auf die Freisetzung von BCM-7 und dessen potenzielle immunologische Effekte nach der Verdauung nicht stichhaltig sind. Weitere Forschung ist erforderlich, um die klinischen Implikationen dieser Ergebnisse vollständig zu verstehen.
Autor: Dr. Hermann Schwarzenbacher, ZuchtData
Literatur:
Gard, F.; Flad, L.M.; Weißer, T.; Ammer, H.; Deeg, C.A. Effects of A1 Milk, A2 Milk and the Opioid-like Peptide β-Casomorphine-7 on the Proliferation of Human Peripheral Blood Mononuclear Cells. Biomolecules 2024, 14, 690. doi.org 10.3390/biom14060690
Die Ernährungsforschung hat sich von der Untersuchung einzelner Nährstoffe hin zur Analyse der Zusammenhänge zwischen Lebensmitteln, Ernährungsgewohnheiten und Gesundheit entwickelt. Dabei wird erkannt, dass Lebensmittel mehr sind als die Summe ihrer einzelnen Nährstoffe – dies bezieht sich auf das Konzept der "Lebensmittelmatrix". Milchprodukte haben, wie andere Lebensmittel, einzigartige Matrizen, die mit spezifischen gesundheitlichen Effekten verbunden sind. Obwohl das Konzept der Lebensmittel- und Milchproduktmatrix zunehmend Beachtung findet, gibt es unterschiedliche Begriffe und Definitionen dazu.
In der Fachzeitschrift „Nutritions“ wird der Einfluss der komplexen Zusammensetzung der Milchmatrix auf eine ausgewogene Ernährung zusammengefasst. Die IDF (International Dairy Federation) bemüht sich darum, eine einheitliche Definition für den Begriff „Milchmatrix“ voranzubringen und internationale Akzeptanz dafür zu finden. Das ist deshalb so wichtig, da die IDF der Rolle der Milchmatrix bei der Gestaltung des gesundheitlichen Nutzens von Milchnahrungsmitteln eine enorme Bedeutung beimisst.
Die Studie „Die Milchmatrix im Zusammenhang mit Ernährung und Gesundheit“ des IDF zielt darauf ab, Einblicke in die Anwendung dieser Konzepte zu geben und einen aktuellen Überblick über die Definitionen und Begriffe der Lebensmittel- und Milchproduktmatrix zu liefern. Es wird analysiert, wie diese Matrizen die Ernährung und Gesundheit beeinflussen und welche praktischen Auswirkungen sie auf evidenzbasierte Gesundheitsrichtlinien haben. Es besteht ein Bedarf an einheitlichen Definitionen in der Literatur. Daher hat die IDF (International Dairy Federation) einheitliche Begriffe vorgeschlagen: Die "Milchproduktmatrix" beschreibt die einzigartige Struktur eines Milchprodukts, seine Bestandteile (z. B. Nährstoffe und Nicht-Nährstoffe) und deren Wechselwirkungen. "Milchmatrix-Gesundheitseffekte" bezieht sich auf die gesundheitlichen Auswirkungen von Milchprodukten, die über ihre einzelnen Komponenten hinausgehen.
Die wichtigsten Eckpunkte der Studie sind:
1. Milchmatrix-Konzept: Das Konzept der „Milchmatrix“ beschreibt die einzigartige Struktur von Milchprodukten, einschließlich der Nährstoffe und ihrer Wechselwirkungen. Es hebt hervor, dass die gesundheitlichen Auswirkungen von Milchprodukten nicht nur von ihren einzelnen Nährstoffen abhängen, sondern auch davon, wie diese im Lebensmittel zusammenspielen.
2. Gesundheitliche Vorteile von Milchprodukten: Trotz des Gehalts an gesättigten Fettsäuren haben Milchprodukte positive oder neutrale Effekte auf die kardiometabolische Gesundheit. Dazu gehören eine geringere Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes, insbesondere bei fermentierten Produkten wie Joghurt und Käse.
3. Nährstoffverdauung und Bioverfügbarkeit: Die Struktur von Milchprodukten beeinflusst die Verdauung und Aufnahme von Nährstoffen im Körper. Studien zeigen, dass die „Matrix“ eines Lebensmittels die Art und Weise verändert, wie Nährstoffe verdaut werden, was die physiologischen Reaktionen und den Nährwert beeinflusst.
4. Differenzierung zwischen verschiedenen Milchprodukten: Milch, Joghurt und Käse weisen unterschiedliche Matrix-Strukturen auf, was bedeutet, dass ihre gesundheitlichen Auswirkungen je nach Struktur und Verarbeitungsmethode variieren. Zum Beispiel zeigen Studien, dass halbflüssige Milchprodukte wie Joghurt eine stärkere Sättigungswirkung haben können als flüssige Milch.
5. Empfehlungen für Ernährungspolitik: Der Artikel plädiert für die Einbeziehung des Milchmatrix-Konzepts in Ernährungsrichtlinien und betont, dass die traditionelle, nur auf Nährstoffe bezogene Bewertung von Lebensmitteln zu kurz greift. Eine ganzheitlichere Betrachtung, die die Matrix eines Lebensmittels berücksichtigt, könnte genauere Ernährungsratschläge ermöglichen.
6. Notwendigkeit weiterer Forschung: Obwohl bereits viele positive Auswirkungen der Milchmatrix auf die Gesundheit bekannt sind, wird betont, dass weitere Forschung notwendig ist, um die komplexen Mechanismen, die hinter den gesundheitsfördernden Effekten von Milchprodukten stehen, besser zu verstehen.
Zusammengefasst zeigt die Studie auf, dass Milchprodukte nicht nur aufgrund ihrer Nährstoffe gesund sind, sondern durch ihre spezifische Struktur einzigartige gesundheitliche Vorteile bieten.
Mehr dazu hier
Hier ein kurzer Exkurs zum Beginn des Milchkonsums: Dr. Shevan Wilkin vom Max-Planck-Institut für Geoanthropologie in Jena stellte 2021 in einer Studie fest, dass vor mehr 5000 Jahren Migrationsbewegungen über weite Strecken mit einem Wandel der Ernährungsweise zusammenhängen. Die Bevölkerung fing an Milch zu konsumieren. Milch liefert damals wie heute notwendiges und hochwertiges Eiweiß. Auch wenn Milch als Lebensmittel zählt, stellt es mit seinem großen Anteil an Wasser auch Flüssigkeit bereit. Gerade in der Steppe bietet Milch also eine Art sauberes Wasser und auch eine wichtige Eiweiß- und Energiequelle.
Ist Milch ein sicheres Lebensmittel?
Milchqualität beginnt bereits beim Futtermittel. Damit Mensch und Tier gesund bleiben braucht es hochwertige Futtermittel. Damit alle Vorschriften eingehalten und regelmäßig kontrolliert werden gibt es die Futtermittelverordnung. Außerdem werden regelmäßig die Haltung und die Gesundheit der Milchkühe unter die Lupe genommen. Damit auch die Milch auf ihrem Weg von der Kuh bis hin zum Verbraucher in bester Qualität ankommt, gibt es umfassende Prüfungen, Analysen und Qualitätsmaßnahmen. Diese fangen im Stall an, gehen im Milchsammelwagen bis zur Molkerei weiter und werden im Handel bis ins Kühlregal fortgesetzt. Kurz gesagt: Milch ist eines der am besten kontrollierten Lebensmittel.
Können Milch und Milchprodukte Krankheiten auslösen?
Entgegen der Befürchtung der weit verbreiteten Unverträglichkeit steht, dass es auf der ganzen Welt Menschen gibt, die Milch auch im Erwachsenenalter sehr gut vertragen. Dazu braucht es das Enzym Laktase, dass den Milchzucker, die Laktose zersetzt. Menschen, die dieses Enzym nicht haben, leiden an einer Laktoseunverträglichkeit. In Europa können allerdings mehr als 85 Prozent der Bevölkerung die Milch problemlos verdauen (Ernährungsradar 2024). Für die übrigen 15 Prozent gibt es mittlerweile eine große Auswahl an laktosefreien Produkten. Milch als Lebensmittel stellt seit Jahrtausenden in weiten Teilen der Erdbevölkerung eine wichtige Basis für eine gute und ausgewogene Ernährung dar. Wieso ist eine Milchunverträglichkeit dann in aller Munde?
Ein weiterer schwarzer Peter wird der Milch zugeschoben, wenn es um den Auslöser für das Metabolische Syndrom, einer komplexen Stoffwechselerkrankung geht. Dieses Syndrom zählt zu den Wohlstandskrankheiten, dass bei starkem Übergewicht ausgelöst werden kann. Es besteht unter anderem ein erhöhter Blutzuckerspiegel sowie ein hoher Blutdruck. Entgegen der Vermutung, dass Milch diese Symptome verstärkt, belegen große Übersichtsstudien das Gegenteil. Menschen, die regelmäßig Vollmilch trinken haben weniger oft Diabetes oder einen hohen Blutdruck (Bhavadharini et al. 2020 und Lee et al. 2018). Die Liste mit vermeintlichen Krankheiten oder gesundheitlichen Risiken die durch den Genuss von Milch ausgelöst werden sollen lässt sich beliebig lange fortsetzen. Durch zahlreiche Studien konnte mittlerweile belegt werden, dass das Gegenteil der Fall ist. Milch und Milchprodukte haben eine neutrale, zum Teil sogar eine günstige Wirkung gegen etliche Krankheiten wie z.B. Schlaganfälle oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Max Rubner-Institut 2014).
Welche Inhaltstoffe haben Milch und Milchprodukte?
Milch und Milchprodukte zählen zu hochwertigen Lebensmitteln. Sie enthalten von Natur aus eine Vielzahl von Nährstoffen. Für die meisten Menschen in Europa sind diese Nährstoffe in einer gut verwertbaren Form enthalten. Vor allem das Milcheiweiß kann der Mensch sehr gut verwerten und leicht verdauen.
Der Hauptbestandteil von Milch ist Wasser. Daneben gibt es drei weitere wichtige Inhaltsstoffe: Eiweiß, Milchfett und Milchzucker/Laktose (Kohlenhydrat). Weitere wichtige Nährstoffe sind Mineralstoffe wie Calcium, Zink und Jod sowie die Vitamine B2 und B12.
Im Schnitt werden ca. 40 Prozent des täglichen Calciumbedarfs in Deutschland über Milch und Milchprodukte aufgenommen. Mit 42 Prozent tragen Milch und Milchprodukte zur Jodaufnahme bei und zählen damit zu den wichtigsten Jodquellen in einem Jodmangelgebiet wie Deutschland. Auch bei Vitaminen können Milchprodukte punkten. Vitamin B12 ist auf natürlicher Weise in pflanzlichen Lebensmitteln so gut wie nicht enthalten. Da gibt es nur wenige Ausnahmen wie den Shiitake Pilz und geringe Mengen im Sauerkraut.
Die essentiellen Aminosäuren aus der Milch können in körpereigenes Protein umgewandelt werden und können so dem Aufbau und Erhalt der Muskelmasse dienen. Vor allem die 20% Molkenprotein des Milcheiweißes unterstützen den Muskelaufbau bei körperlichem Training sehr gut. Bereits ein Glas Milch decken 11 Prozent des täglichen Eiweißbedarfes ab.
Hier eine Zusammenfassung der Inhaltsstoffe von Milch und Milchprodukten und den positiven Effekten von Kuhmilch auf die Gesundheit (TUM und KErn)
Literatur:
Bhavadharini et al. (2020): Association of dairy consumption with metabolic syndrome, hypertension and diabetes in 147 812 individuals from 21 countries. BMJ Open Diabetes Res Care 2020, [online]
Ernährungsradar (2024): Ist Milch gesund? Das sagen die Studien. [online]
Lee et al. (2018): Dairy food consumption is associated with a lower risk of the metabolic syndrome and its components: a systematic review and meta-analysis. Br J Nutr 2018;120(4):373–384, [online]
Max Rubner-Institut (2014): Ernährungsphysiologische Bewertung von Milch und Milchprodukten und ihren Inhaltsstoffen, [online]
Wilkin et al. (2024): Cauldrons of Bronze Age nomads reveals 2700 year old yak milk and the deep antiquity of food preparation techniques, [online]
In der internationalen Zeitschrift Foods werden regelmäßig Artikel über Lebensmittelwissenschaft veröffentlicht. In der Ausgabe 13 vom 9. Juli 2024 wurde eine vergleichende Studie von Milch und Pflanzendrinks vorgestellt. Darin geht es um die Entwicklung und Zusammensetzung von pflanzlichen Milchalternativen.
Da diese in den letzten Jahren aufgrund gesundheitlicher, ökologischer und ethischer Überlegungen an Bedeutung gewonnen haben, soll diese Studie vorgestellt werden. Pflanzliche Milchalternativen werden anstelle von Kuhmilch angeboten, insbesondere für Menschen mit Laktoseintoleranz, Milcheiweißallergien oder solchen, die tierische Produkte vermeiden wollen. Jedoch weisen pflanzliche Milchalternativen oft eine variierende Nährstoffzusammensetzung auf, was eine Optimierung ihrer Rezepturen erforderlich macht.
Die Studie vergleicht die Nährstoffzusammensetzung von Kuhmilch mit verschiedenen pflanzlichen Milchalternativen aus z.B. Haselnüssen, Paranüssen, Cashewkernen, Sojabohnen und Sonnenblumenkernen. Außerdem wird untersucht, wie die Kombination dieser pflanzlichen Milchalternativen zu einer verbesserten Nährstoffzusammensetzung führen kann.
Dazu wurde jede pflanzliche Milchalternative einzeln aus den jeweiligen Rohstoffen hergestellt. Außerdem wurden Mischungen der verschiedenen Pflanzendrinks entwickelt, um eine bessere Nährstoffzusammensetzung zu erreichen. Des Weiteren wurden Analysen zur Feuchtigkeit, zum Aschegehalt, zu Proteinen, Fetten, Kohlenhydraten und zur Energiedichte durchgeführt. Auch die Mineralstoffgehalte (Kalzium, Eisen, Magnesium usw.) wurden gemessen. Über 12 Tage wurde dann auch die Haltbarkeit der pflanzlichen Milchalternativen bei unterschiedlichen Temperaturen getestet, wobei die Stabilität der Emulsionen und das mikrobiologische Wachstum überwacht wurden.
Die pflanzliche Milchalternative zeigte in fast allen getesteten Parametern eine geringere Nährstoffdichte im Vergleich zu Kuhmilch, insbesondere in Bezug auf den Proteingehalt und Kalzium. Mischungen aus verschiedenen pflanzlichen Quellen konnten den Gehalt an bestimmten Mineralien (z.B. Eisen, Magnesium) und hochwertigen Lipiden verbessern. Weitere Optimierungen der Rezepturen und eine Anreicherung mit zusätzlichen Nährstoffen sind notwendig, um die mit der Nährstoffzusammensetzung von Kuhmilch mithalten zu können. Die Haltbarkeit der pflanzlichen Alternative war mit 11 Tagen bei 4°C zufriedenstellend. Die Stabilität der Emulsion war jedoch stark abhängig von der Zusammensetzung der Sorten; Mischungen zeigten eine bessere Stabilität im Vergleich zu einzelnen pflanzlichen Milchalternativen.
Es lässt sich schlussfolgern, dass pflanzliche Milchalternativen eine interessante Alternative zu Kuhmilch bieten, besonders in Bezug auf Unverträglichkeiten. Allerdings gibt es noch zahlreiche Herausforderungen, insbesondere bei der Nährstoffzusammensetzung und der Verbesserung der sensorischen Eigenschaften. Weitere Forschung ist erforderlich, um pflanzliche Milchalternativen zu entwickeln, die den Nährwert von Kuhmilch erreichen können. Bezogen auf die Nährstoffzusammensetzung ist Kuhmilch nach wie vor unschlagbar.
Wer sich für den gesamten Artikel interessiert, kann ihn hier nachlesen: A Comparative Study of Dairy and Non-Dairy Milk Types
In Mitteleuropa war Milch immer ein fester Bestandteil des Speiseplans. Mittlerweile wird immer öfter auf Pflanzendrinks ausgewichen. Viele Konsumenten sind der Überzeugung, dass diese auch gesünder und umweltfreundlicher sind als die herkömmliche Kuhmilch. Wenn man etwas recherchiert, könnte man auch tatsächlich diesen Eindruck gewinnen. Das Problem ist: Bei fast allen leicht zugänglichen Berichten wird in Bezug auf 1 Liter verglichen. Die Inhaltsstoffe werden dabei nicht berücksichtigt. Da Milch ein sehr nährstoffdichtes Lebensmittel mit hochwertigen Proteinen und essentiellen Fettsäuren ist, wird dies dem Nährwert der Milch nicht gerecht. Weitere Vorteile der Milch gegenüber ihren Alternativen ist die Vielfalt von wichtigen Mikronährstoffen sowie der Fakt, das Milch frei von Zusatzstoffen ist.
Im Vergleich zwischen Kuhmilch und pflanzlichen Alternativen wird deutlich, dass beide Kategorien wesentliche Unterschiede in ihren Inhaltsstoffen aufweisen. Um Konsequenzen für die Nährstoffversorgung richtig einschätzen zu können, ist es demnach extrem wichtig das jeweilige Nährstoffprofil genauer anzusehen.
Pflanzendrinks basieren auf verschiedenen Rohstoffen, darunter Soja, Hafer, Mandeln und Reis. Diese Milchalternativen weisen ein breites Spektrum an Inhaltsstoffen auf, welches sich je nach Ausgangsprodukt und Herstellung stark unterscheidet. Generell enthalten viele Pflanzendrinks jedoch weniger Eiweiß und Kalzium als Kuhmilch. Auch die Proteinqualität in pflanzlichen Alternativen variiert je nach Produkt erheblich. Während Sojadrinks eine relativ hohe Proteinqualität aufweisen, liegt der Proteingehalt bei Hafer- oder Mandeldrinks deutlich niedriger. Um diese Nährstofflücken zu schließen, werden sie oft mit Vitaminen und Mineralien angereichert. Sojadrinks kommen durch ihren hohen Proteingehalt und die Aminosäuren-Zusammensetzung der Kuhmilch am nächsten.
Kuhmilch wiederum bietet eine natürliche Quelle für hochwertige Proteine, essentielle Vitamine (wie B12 und D) und Mineralstoffe, insbesondere Kalzium. Diese Nährstoffe sind in Kuhmilch nicht nur in hoher Menge, sondern auch in einer Form enthalten, die der menschliche Körper gut aufnehmen und verwerten kann. Die hohe Bioverfügbarkeit der Inhaltsstoffe macht Kuhmilch zu einer wertvollen Komponente in der menschlichen Ernährung.
Ein wichtiger und selten beachteter Punkt ist auch das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren in Kuhmilch und ihren Alternativen. Die Beachtung ist deshalb so wichtig, da ein hoher Anteil an Omega-6-Fettsäuren, wie er in einigen Pflanzendrinks vorkommt, entzündungsfördernd wirken kann, während Omega-3-Fettsäuren entzündungshemmende Eigenschaften haben und die Herz-Kreislauf-Gesundheit unterstützen. Kuhmilch weist im Vergleich zu vielen Pflanzendrinks ein günstigeres Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren auf. Kuhmilch enthält zwar insgesamt weniger ungesättigte Fettsäuren als viele pflanzliche Alternativen, bietet aber ein ausgewogeneres Verhältnis der wichtigen Fettsäuren.
Neben den Inhaltsstoffen werden bei der Bewertung von Kuhmilch und Pflanzendrinks auch ökologische Faktoren einbezogen. Pflanzendrinks haben tendenziell eine geringere Umweltbelastung in Bezug auf Treibhausgasemissionen und Ressourcenverbrauch, wobei die Umweltbilanz je nach Pflanzensorte und Produktionsweise stark variiert. Auf die ökologischen Gesichtspunkte wird in einem zweiten Teil noch genauer eingegangen.
Die genannten Punkte verdeutlichen, dass der Vergleich zwischen Kuhmilch und Pflanzendrinks komplex ist und eine detaillierte Betrachtung der Inhaltsstoffe erfordert, um die jeweiligen Vor- und Nachteile für die Ernährung zu erkennen.
Mehr dazu hier
Haben pflanzliche Milchersatzprodukte wirklich geringere Umweltauswirkungen als tierische Produkte?
Kurz gesagt: Die Umweltbilanz von pflanzlichen Alternativen hängt stark von der Rohstoffwahl, der Herkunft des Rohstoffes und der Anbauweise ab. Die Frage demnach lässt sich nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten. Außerdem werden zur Berechnung der Umweltauswirkungen meist nur die Treibhausgasemissionen pro kg Produkt verglichen. Diese werden dann in CO2-Äquivalenten ausgewiesen. So werden viele weitere Einflüsse auf die Umwelt allerdings gar nicht berücksichtigt. Darunter fallen z.B. die Versauerung der Böden, der Süßwasserverbrauch, die Eutrophierung, die Landnutzung, der Verbrauch nicht erneuerbarer Energie sowie die Abholzung.
Genauso verhält es sich, wenn man den ökologischen Fußabdruck nur auf die Menge bezieht und die Inhaltsstoffe in der Bewertung nicht berücksichtigt. Es zeichnet sich ein schlechtes Bild für die Milch ab. Wenn z. B. ein Liter Kuhmilch mit einem Liter Cashew- oder Reisdrink verglichen wird, weist Kuhmilch einen höheren ökologischen Impact auf. Wird jedoch der Nährstoffgehalt, insbesondere der Protein- und Kalziumgehalt mit einbezogen, verändert sich die Bewertung. Kuhmilch enthält eine höhere Dichte an essenziellen Nährstoffen, wodurch sie im Verhältnis dazu nachhaltiger abschneiden kann, wenn der ökologische Impact pro Nährstoffeinheit bei der Berechnung mitberücksichtigt wird.
Deshalb ist eine umfassende Betrachtung zur Beurteilung der Gesundheit und auch der Umweltbilanz von Kuhmilch und Pflanzendrinks wichtig. Nur so kann die Nachhaltigkeit eines Lebensmittels genau beurteilen werden und das gesamte System aus Mensch – Gesundheit – Umfeld – Umwelt beurteilt werden. Es bringt niemanden etwas ein nachhaltiges, ungesundes Lebensmittel zu konsumieren, genauso, wie keinem mit einem gesunden, aber unökologischen Lebensmittel geholfen ist. Nur in der Gesamtheitlichen Betrachtung profitiert der Mensch und die Umwelt.
Pflanzendrinks basieren auf Soja, Hafer, Mandeln, Reis und weiteren pflanzlichen Rohstoffen. Der ökologische Fußabdruck dieser Produkte variiert je nach Anbauweise und geographischer Herkunft sehr stark. Regional produzierte Sojabohnen haben durch kurze Transportwege eine gute Klimabilanz. Wird Soja aber in Brasilien angebaut, wofür große Flächen Regenwald gerodet werden, steigt der Wert des Treibhausgasausstoßes um das doppelte an. Soja hätte damit eine weitaus schlechtere ökologische Bilanz, als alle anderen Drinks und als Kuhmilch.
Beim Wasserverbrauch schneiden sowohl die Kuhmilch, als auch die meisten pflanzlichen Alternativen schlecht ab. Am deutlichsten ist der schlechte Impact in der Kategorie Wasserverbrauch bei Mandel- und Reisdrinks. Mandeldrinks benötigen einen hohen Wasseraufwand, insbesondere in trockenen Anbaugebieten wie Kalifornien. Zudem beeinflusst die Anbauweise der Rohstoffe den ökologischen Fußabdruck erheblich – regional und nachhaltig produzierte Milch und Pflanzendrinks können deutlich umweltfreundlicher sein als importierte Varianten.
Die Wahl zwischen Milch und Pflanzendrinks kann auch von spezifischen Ernährungsbedürfnissen eines Landes abhängen. In Regionen mit traditionell hoher Milchproduktion und -konsum, wie etwa in einigen europäischen Ländern, sind die Menschen auf die durch Milch bereitgestellten Nährstoffe angewiesen. Dagegen können Länder ohne stark ausgeprägte Milchproduktion von Pflanzendrinks profitieren, insbesondere wenn diese an die lokalen Ressourcen angepasst sind und weniger importiert werden müssen.
Mehr dazu hier
Quellen und Literaturhinweis: Walther-Nemecek-Literaturliste-Naehrstoffe
In der Monatsschrift Kinderheilkunde von April 2024 nimmt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) Stellung und betont die Bedeutung von Milchprodukten für die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Milchprodukte sind eine wichtige Quelle für essenzielle Nährstoffe wie Protein, Kalzium, Jod und B-Vitamine. Diese Nährstoffe tragen maßgeblich zur Knochenentwicklung, zum Wachstum und zur allgemeinen Gesundheit bei. Da pflanzliche Milchalternativen zunehmend als Ersatz für Kuhmilch genutzt werden, warnt die DGKJ, dass die Nährstoffgehalte dieser Produkte oft stark variieren und meist nicht die gleiche Qualität und Bioverfügbarkeit bieten wie Kuhmilch. So enthalten pflanzliche Alternativen häufig weniger Protein und Kalzium, was im Kindesalter zu einer unzureichenden Versorgung führen könnte, insbesondere bei vegan ernährten Kindern.
Eine unzureichende Kalzium- und Proteinzufuhr im Kindesalter kann langfristige Konsequenzen haben, wie z. B. ein geringeres Knochenwachstum und -dichte, was später das Risiko für Osteoporose erhöhen kann. Besonders während der Wachstumsphase ist es daher entscheidend, auf eine ausreichende Aufnahme dieser Nährstoffe zu achten. Wenn Kinder keine Milchprodukte konsumieren, sollte die Nährstoffzufuhr über andere angereicherte Lebensmittel oder Supplemente sichergestellt werden. Für nicht gestillte Säuglinge empfiehlt die DGKJ sojabasierte Säuglingsnahrung als Ersatz, da diese im Vergleich zu vielen anderen pflanzlichen Alternativen einen höheren Proteingehalt bietet.
Um Eltern und Fachleuten die Auswahl zu erleichtern, fordert die DGKJ eine klare und einheitliche Kennzeichnung der Nährstoffe auf pflanzlichen Milchalternativen. Nur so kann gewährleistet werden, dass die ausgewählten Produkte eine ausreichende Nährstoffqualität bieten, die mit Kuhmilch vergleichbar ist. Der Verzehr von Milchprodukten bei Kleinkindern ist vor allem für die Nährstoffversorgung und die Unterstützung der kindlichen Entwicklung von Bedeutung.
Die DGKJ plädiert dafür, dass der Konsum von Milchprodukten eine leicht zugängliche und zuverlässige Quelle für lebenswichtige Nährstoffe darstellt, die Kleinkindern eine ausgewogene und gesunde Entwicklung ermöglicht. Hier eine Zusammenfassung der positiven Effekte, die ein Ernährungsplan inkl. Milchprodukte bei Kindern und Jugendlichen mit sich bringt:
Die DGKJ hebt hervor, dass ein Ausschluss von Milchprodukten, besonders in veganen Ernährungsformen, zu Unterversorgungen führen kann. Bei Kleinkindern, die keine Milchprodukte konsumieren, besteht ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Zufuhr an Kalzium, Protein und weiteren kritischen Nährstoffen, was zu Wachstumsverzögerungen oder einer schwächeren Knochendichte führen kann.
Begrenzte Eignung pflanzlicher Alternativen für Kleinkinder: Pflanzliche Milchalternativen enthalten oft weniger Kalzium und Protein und weisen stark variierende Nährstoffgehalte auf. Für Kleinkinder und insbesondere Säuglinge sind viele dieser Alternativen ungeeignet, da sie den spezifischen Nährstoffbedarf im Wachstumsalter nicht decken können.
Wer sich für den gesamten Artikel oder weitere Quellen interessiert kann ihn hier nachlesen.
Quelle: Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ)
In Milch sind massenhaft Antibiotika
Das ist falsch.
Es werden nur selten Antibiotikarückstände bei Untersuchungen entdeckt. In den Jahren 2008 bis 2021 wurden ca. 1200 Proben aus dem bayerischen Einzelhandel untersucht. Eine einzige Probe entsprach nicht den gesetzlichen Standards. Die gute Nachricht ist, dass der Gebrauch von Antibiotika im Tierarzneimitteleinsatz seit Jahren sogar stetig abnimmt. Seit Aufzeichnungsbeginn im Jahr 2011 ist die abgegebene Menge um ca. 65 Prozent gesunken.
Milch enthält Hormone und verursacht bei Frauen Brustkrebs
Das ist wissenschaftliche nicht belegt.
Es ist richtig, dass Kuhmilch eine Quelle von Östrogen und Progesteron ist. Sie sind von Natur aus in Kuhmilch enthalten und gelangen über den Verzehr in den menschlichen Körper. Aufgenommene Hormone wirken allerdings nicht wie körpereigene Hormone. Außerdem gibt es keine Belege, dass über die Kuhmilch aufgenommene Hormone Brustkrebs verursachen. Dafür müssten sehr große Mengen ins Blut übergehen. Da diese aber schon in Darm und Magen zu 95 bis 99 Prozent abgebaut werden, ist die Konzentration von Hormonen aus der Kuhmilch viel zu gering um Schaden anzurichten.
Erwachsene sind nicht dafür gemacht, Milch zu verdauen
Das ist falsch.
Es stimmt, dass Kinder bis zum 5. Lebensjahr Milch besser verdauen können, als Erwachsene. Grund dafür ist das Enzym Laktase, dass den Milchzucker im Darm aufspaltet. Das Enzym wird im Kindesalter in höheren Mengen produziert. Außerdem wird es regional sehr unterschiedlich im Darm eines Erwachsenen hergestellt. Erwachsene, die es gewohnt sind Milch zu trinken, wie etwa 85 Prozent der Menschen in Europa oder einzelne Bevölkerungsgruppen in Asien und Afrika, wie z.B. die Massai, können Milch ein Leben lang verdauen.
Da Milch verglichen mit anderen eiweißhaltigen Lebensmitteln eine sehr gute Proteinquelle ist, hat es Vorteile, wenn man Milch verdauen kann. Anhand des Aminosäureindex (PDCAA-Score) aus der Ernährungswissenschaft lässt sich veranschaulichen, wie viele essentielle Aminosäuren ein Lebensmittel enthält. Milcheiweis (Score von 100-123) ist demnach Sojabohnen- (54-83), Hafer- (57-67) und Mandelprotein (23) weit voraus.
Milch verschleimt Darmzotten und Atemwege
Das ist falsch.
Dieser Volksglaube wurde wissenschaftlich gründlich untersucht, konnte aber widerlegt werden. Es gibt immer wieder Menschen, die ein Gefühl beschreiben, Milch würde sich auf ihre Atemwege legen. Wissenschaftler führen diese Empfindungen auf die Zusammensetzung der Milch oder auch einen Placebo-Effekt zurück.
Studien weisen sogar darauf hin, dass Milchprodukte mit normalem Fettgehalt das Asthmarisiko verringern und den Verlauf von Anfällen sogar mildern können. Demnach hat Milch statt dem negativen Volksglauben sogar einen positiven Effekt auf die Atemwege.
Rohmilch enthält Keime
Das ist wahr.
Manche Menschen trinken Rohmilch in dem Glauben, dass sie gesund ist. Das lässt sich allerdings nicht eindeutig beantworten. Es gibt Studien, die belegen, dass Rohmilch mehr gesunde Inhaltsstoffe wie Omega-3-Fettsäuren enthält. Allerdings ist die mögliche Infektionsgefahr durch Keime in der Rohmilch vor allem bei Risikogruppen nicht zu unterschätzen. Deshalb sollten vor allem bei Kindern, Schwangeren und älteren Menschen die Rohmilch vor dem Verzehr immer abgekocht werden.
Mehr dazu hier
Quelle: Ernährungsradar 29.10.2024