Blauzunge und Schmallenberg werden beide durch Gnitzen der Gattung Culicoides übertragen. Doch nicht jede Gnitzenart spielt bei jedem Virus die gleiche Rolle. Für den Landwirt ist dabei wichtig: Die einzelnen Gnitzenarten lassen sich mit bloßem Auge kaum sicher unterscheiden. Deshalb kann man am Tier oder im Stall nicht erkennen, welche Gnitzenart gerade unterwegs ist. Die sichere Bestimmung erfolgt über eine Untersuchung der gefangenen Gnitzen.
Blauzungenvirus (BTV)
Bei der Blauzungenkrankheit sind in Europa vor allem Gnitzen aus dem Obsoletus-Komplex von Bedeutung. Dazu gehören unter anderem:
- Culicoides obsoletus
- Culicoides scoticus
- Culicoides dewulfi
- Culicoides chiopterus
Daneben können auch andere Arten, beispielsweise Culicoides pulicaris, eine Rolle spielen. Welche Art tatsächlich zur Übertragung beiträgt, hängt unter anderem von Region und Virusvariante ab.
Merke: BTV = vor allem Gnitzen des Obsoletus-Komplexes, aber auch weitere Culicoides-Arten.
Schmallenbergvirus (SBV)
Auch beim Schmallenbergvirus steht der Obsoletus-Komplex im Mittelpunkt. Besonders C. obsoletus und verwandte Arten wurden als relevante Vektoren nachgewiesen. Auch C. chiopterus und weitere Culicoides-Arten wurden mit SBV in Verbindung gebracht.
Merke: SBV = ebenfalls vor allem Gnitzen des Obsoletus-Komplexes.
Das bedeutet aber nicht, dass dieselbe einzelne Gnitzenart automatisch jedes Virus gleichermaßen gut überträgt. Virus und Vektor müssen zusammenpassen.
Und was ist mit Shamonda?
2026 ist noch ein weiterer Erreger hinzugekommen: Das FLI hat in Deutschland zwei Varianten eines Shamonda-Virus-verwandten Orthobunyavirus nachgewiesen. Auch diese Viren werden – wie BTV und SBV – durch blutsaugende Culicoides-Gnitzen übertragen. Welche konkreten Gnitzenarten bei den neuen Shamonda-Varianten in Deutschland die wichtigste Rolle spielen, ist derzeit jedoch noch nicht abschließend geklärt.
Merke: Shamonda = Übertragung durch Gnitzen wahrscheinlich, konkrete Vektoren in Deutschland noch nicht abschließend geklärt.
Woran erkennt man Gnitzen?
Gnitzen sind sehr kleine, stechende Mückenverwandte. Sie sind mit bloßem Auge schwer zu erkennen und deutlich kleiner als gewöhnliche Stechmücken.
Für den Betrieb wichtiger als die genaue Artbestimmung ist deshalb die Frage: Sind Gnitzen aktiv? Ihre Aktivität ist stark von den Witterungsbedingungen abhängig. In Deutschland liegt die Hauptaktivität normalerweise zwischen Juli und Oktober, kann aber witterungsabhängig bis etwa November reichen.
Was kann man gegen Gnitzen tun?
Eine vollständige Vermeidung der Gnitzenübertragung ist schwierig. Trotzdem können Betriebe die Exposition reduzieren:
- Tiere zu Zeiten hoher Gnitzenaktivität möglichst im Stall halten, insbesondere in den Abend- und Nachtstunden.
- Stallbereiche gut durchlüften – Luftbewegung kann die Aktivität der kleinen Fluginsekten erschweren.
- Brutstätten möglichst reduzieren, insbesondere feuchte, schlammige Bereiche rund um den Stall.
- Feuchte Stellen und organisches Material im unmittelbaren Stallumfeld möglichst vermeiden bzw. beseitigen.
- Zugelassene Insektizide bzw. Repellentien nur nach tierärztlicher bzw. fachlicher Empfehlung und entsprechend der Zulassung einsetzen. Die Wirksamkeit solcher Maßnahmen gegen die Virusübertragung ist nicht bei jedem Präparat gleichermaßen belegt.
- Bei Blauzunge ist die Impfung ein wichtiger Baustein der Vorbeugung. Sie schützt nicht vor dem Stich der Gnitze, kann aber vor der Erkrankung durch die entsprechenden BTV-Serotypen schützen. Das FLI empfiehlt die Impfung insbesondere angesichts der aktuell zirkulierenden BTV-Varianten.
Wichtig für den Betrieb
Nicht jede Gnitze überträgt jedes Virus – und die Gnitzenarten sind äußerlich kaum sicher voneinander zu unterscheiden. Entscheidend ist deshalb weniger, eine Gnitze auf dem Betrieb selbst zu bestimmen, sondern die Gnitzenaktivität zu berücksichtigen, Symptome frühzeitig zu erkennen und bei BTV die verfügbaren Impfmaßnahmen mit dem Hoftierarzt zu besprechen.
Gerade im Spätsommer und Herbst bleibt das Thema aktuell: Die Gnitzenaktivität ist in dieser Zeit besonders hoch und damit auch die Möglichkeit der Übertragung von durch Gnitzen verbreiteten Viren.