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Rückblick Online-InfoTreff Milch

Digitalisierung in der Milchwirtschaft: Entlastung, Vernetzung, Effizienz

Am Dienstag, den 14. April 2026, fand ein Online-INFOTreff zum Thema Digitalisierung in der Milchwirtschaft statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage, wie digitale Lösungen dazu beitragen können, landwirtschaftliche Betriebe zu entlasten, Prozesse effizienter zu gestalten und die Vernetzung innerhalb der Branche zu verbessern.

Den Auftakt machte Noémie Zink vom Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) sowie dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW). In ihrem Vortrag stellte sie die Entwicklungen der Digitalisierung im Schweizer Agrar- und Ernährungssektor vor und ging insbesondere auf den Aufbau eines sektorenübergreifenden Datenraums ein. Dabei wurde deutlich, dass die aktuelle Situation häufig noch durch Mehrfacherfassungen von Daten geprägt ist, da unterschiedliche Systeme parallel genutzt werden.
Als zentralen Lösungsansatz präsentierte sie die Plattform agridata.ch (https://www.blw.admin.ch/de/anwendung-agridata) ,mit der das Ziel verfolgt wird, Daten nur einmal zu erfassen und anschließend standardisiert sowie sicher zwischen allen beteiligten Akteuren auszutauschen. Dies soll insbesondere zu einer spürbaren Entlastung der landwirtschaftlichen Betriebe im administrativen Bereich führen und gleichzeitig die Datenqualität verbessern. Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung einheitlicher Datenstandards, der Einbindung aller Akteure entlang der Wertschöpfungskette sowie der Schaffung klarer rechtlicher und organisatorischer Rahmenbedingungen. Zudem wurde hervorgehoben, dass eine funktionierende Digitalisierung eine neutrale Trägerschaft und eine transparente Governance-Struktur erfordert, um Vertrauen bei allen Beteiligten sicherzustellen. Insgesamt wurde deutlich, dass Digitalisierung nicht als rein technisches Thema verstanden werden kann, sondern als langfristiger Transformationsprozess, der strategisch gesteuert und politisch begleitet werden muss.

Im Anschluss übernahm Dr. Mechthild Frentrup, Vorsitzende der Arbeitsgruppe Digitalisierung im Rahmen der Sektorstrategie Milchwirtschaft 2030, die Einordnung für Deutschland. In ihrem Vortrag zeigte sie, dass die Milchwirtschaft bereits heute in vielen Bereichen digital arbeitet – von automatisierten Prozessen im Stall bis hin zu digitalen Anwendungen im Agrarbüro. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass vorhandene Daten häufig noch in sogenannten „Datensilos“ liegen und ihr Potenzial bislang nicht vollständig genutzt wird.
Sie betonte, dass Digitalisierung kein Selbstzweck ist, sondern ein Werkzeug, das konkrete Mehrwerte schaffen muss – etwa in Form von Arbeitsentlastung, effizienteren Prozessen, besseren Entscheidungsgrundlagen sowie mehr Transparenz entlang der Wertschöpfungskette. Gleichzeitig verwies sie auf bestehende Herausforderungen wie hohe Investitionskosten, Fragen des Datenschutzes, steigende Anforderungen an Kompetenzen sowie eine zunehmende Abhängigkeit von technischen Systemen.
Ein zentraler Punkt ihres Vortrags war die Notwendigkeit, bestehende Insellösungen zu überwinden und stattdessen vernetzte Datenökosysteme aufzubauen. Dazu gehören einheitliche Standards, funktionierende Schnittstellen sowie klare Regeln für den Datenaustausch. Besonders hervorgehoben wurde die Rolle der Molkereien als zentrale Akteure im Datenfluss sowie die Bedeutung einer Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Anhand konkreter Beispiele – etwa europäischer Initiativen zum Aufbau eines Agrardatenraums (CEADS), digitaler Klimaplattformen oder KI-gestützter Prognosemodelle – zeigte sie auf, wie datenbasierte Anwendungen künftig zur Weiterentwicklung der Branche beitragen können. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Milchwirtschaft zwar bereits weit fortgeschritten ist, sich aber weiterhin in einem Aufbauprozess befindet.
Mit Blick auf die politischen Rahmenbedingungen ging sie zudem auf den EU Data Act ein, der künftig den Zugang und die Nutzung von Daten neu regeln und insbesondere die Rechte der landwirtschaftlichen Betriebe stärken soll.

Die Veranstaltung hat gezeigt, dass Digitalisierung ein entscheidender Baustein für die Zukunft der Milchwirtschaft sein kann – vorausgesetzt, sie wird praxisnah, effizient und im Sinne der landwirtschaftlichen Betriebe gestaltet.

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