Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hat im Rahmen des durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekts „Praxisnahe Maßnahmen für einen nachhaltigen Klimaschutz in der Milchviehhaltung“ eine praxisorientierte Bewertung von neun Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasen (THG) in der Milchviehhaltung erstellt. Basis sind Daten aus 30 Praxisbetrieben in Schleswig-Holstein und Bayern, die mit Hilfe des LfL Klima-Check-Tools analysiert wurden.
Die Broschüre nutzt das LfL Klima-Check-Tool, ein kostenfreies Kalkulationsprogramm zur THG-Bilanzierung und zur Modellierung von Maßnahmen. Es ermittelt Emissionen aus zentralen Bereichen wie Fütterung, Bestandsergänzung, Pflanzenbau, Wirtschaftsdüngermanagement sowie Energie- und Ressourceneinsatz und setzt diese in Relation zur ökonomischen Leistung des Betriebs.
Die Analyse umfasst die wichtigsten Emissionsquellen im Milchviehbetrieb: Bestandsergänzung, Fütterung, Wirtschaftsdüngermanagement, Energie- und Ressourceneinsatz sowie weitere Produktionsparameter. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass THG-Reduktionen betriebsindividuell zu bewerten sind – sie hängen stark von Standort, Betriebsstrategie und Datenlage ab.
Die Broschüre stellt neun Maßnahmen als Steckbriefe vor und bewertet diese anhand ausgewählter Indikatoren:
- Verlängerung der Nutzungsdauer der Milchkühe – Senkung der Emissionen je kg Milch durch längere Wirtschaftsdauer.
- Optimierung des Erstkalbealters – Anpassung der Herdenstruktur zur Reduktion von Rekrutierungsaufwand.
- Reduktion der Methanemissionen aus der Verdauung – Einsatz von Futterzusatzstoffen wie dem Wirkstoff 3-NOP.
- Futtermittelauswahl am Beispiel Biertreber – Substitution emissionsreicher Futtermittel durch Nebenprodukte zur Emissionsminderung und Kostenreduktion.
- Einsatz von Siliermitteln bei Grassilage – Reduktion von Lagerverlusten und Verbesserung der Futterqualität.
- Einfluss der Weidehaltung – Verlängerung der Weidezeit zur Emissionsreduktion.
- Effizienz der Futteraufnahme auf der Weide – Verbesserung der Nutzungseffizienz zur Emissionsreduzierung.
- Reduktion der Gülle-Emissionen – Nutzung von Aufbereitungsmitteln wie Kalkstickstoff zur Senkung von Lachgas- und Methanemissionen.
- Einsatz erneuerbarer Energien – Einsatz von Ökostrom zur Minderung indirekter THG-Emissionen.
Jeder Steckbrief enthält Angaben zu erwartender Minderung der THG-Emissionen, potenziellen Ökonomieeffekten, Wechselwirkungen mit Ernährung und Flächennutzung sowie Chancen und Grenzen der Umsetzung im Betriebsalltag.
Praxisnutzen und Einsatz
Die Broschüre ist kein allgemeiner Maßnahmenkatalog mit verbindlichen Empfehlungen, sondern dient als Orientierungshilfe und Denkanstoß für Berater, Praktiker und Forschende. Sie unterstützt dabei, betriebliche Ansatzpunkte für Klimaschutz zu identifizieren und je nach Betriebsstruktur individuelle Handlungsoptionen abzuleiten.
Die vollständige Broschüre kann kostenlos heruntergeladen werden: https://www.lfl.bayern.de/mam/cms07/iba/dateien/praxisnahe_bewertung_von_thg_minderungsmassnahmen__mit_dem_lfl_klima-check2.pdf