Die Paratuberkulose ist eine chronisch verlaufende, wirtschaftlich bedeutende Darmerkrankung bei Rindern, die weltweit verbreitet ist. Auch in Deutschland wird sie regelmäßig in Milchviehbetrieben nachgewiesen. Laut dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bleibt die Erkrankung ein ernstzunehmendes Problem, da sie sich unbemerkt im Bestand ausbreitet und zu erheblichen Leistungseinbußen führen kann. Betroffene Tiere zeigen meist erst im fortgeschrittenen Stadium Symptome wie chronischen Durchfall, Gewichtsverlust, verminderte Milchleistung und Fruchtbarkeitsstörungen. Todesfälle treten in der Regel erst bei stark geschwächten Tieren auf.
Ursache der Paratuberkulose:
Verursacht wird die Paratuberkulose durch Mycobacterium avium subspecies paratuberculosis (MAP), ein widerstandsfähiges Bakterium aus der Familie der Mycobacteriaceae.
- Die Infektion erfolgt meist bereits im frühen Lebensalter.
- Nicht auf den Menschen übertragbar (ein möglicher Zusammenhang mit der Crohn-Krankheit wird jedoch wissenschaftlich diskutiert)
- Die Krankheit ist schwer zu erkennen und langfristig kontrollierbar, da infizierte Tiere über Jahre Erreger ausscheiden können, ohne klinische Symptome zu zeigen.
Verbreitungswege der Paratuberkulose:
Die Paratuberkulose wird hauptsächlich über den Kot infizierter Tiere übertragen. Eine Ansteckung erfolgt vor allem oral durch Aufnahme des Erregers aus der Umgebung oder über Milch und Kolostrum:
- Direkte Übertragung
- Kälber infizieren sich meist beim Auflecken von kontaminiertem Kot oder beim Trinken von Milch infizierter Kühe.
- Die Übertragung erfolgt häufig bereits in den ersten Lebenswochen.
- Indirekte Übertragung
- Das Bakterium kann in Mist, Gülle, Futter oder Wasser über lange Zeit überleben.
- Kontaminierte Stallbereiche, Tränken, Futtertröge oder Weiden tragen wesentlich zur Verbreitung bei.
Maßnahmen gegen Paratuberkulose:
Für Rinder stehen derzeit keine zugelassenen Impfstoffe zur Verfügung. Die Bekämpfung der Erkrankung stützt sich daher auf konsequente Hygienemaßnahmen, regelmäßige Diagnostik und ein gezieltes Bestandsmanagement. Tierhalter sollten ihre Tiere regelmäßig auf Paratuberkulose untersuchen lassen, beispielsweise durch Kotproben oder serologische Tests. Besonders wichtig ist die Trennung von Jungtieren und erwachsenen Tieren, um eine Ansteckung in der Aufzucht zu verhindern. Abkalbebereiche sollten sauber und desinfiziert sein, und Kälber dürfen nur Kolostrum von unverdächtigen Kühen erhalten. Eine sorgfältige Reinigung und Desinfektion von Ställen, Tränken und Futterplätzen ist ebenso erforderlich wie die Vermeidung der Ausbringung von Gülle auf Weiden, die für Jungtiere genutzt werden. Auch beim Zukauf neuer Tiere sollte auf Herkunft aus Paratuberkulose-unverdächtigen Beständen geachtet werden. Eine kontinuierliche Beobachtung der Herde ist entscheidend, da infizierte Tiere oft jahrelang symptomlos bleiben.
Verdächtige Tiere sollten umgehend tierärztlich untersucht und gegebenenfalls aus dem Bestand entfernt werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.
Weiterführende, praxisorientierte Informationen sowie Handlungsempfehlungen zur Diagnostik und Prävention finden Sie in der Broschüre „Paratuberkulose beim Rind“ des Tiergesundheitsdienstes Bayern:
https://www.milch.bayern/wp-content/uploads/2023/09/Broschuere-ParaTB_Milch_Bayern_TGD.pdf