Im Rahmen des 16. Berliner Milchforums stand die Podiumsdiskussion zum Thema „Mehr.Wert.Milch – wer zahlt, wer zählt?“ im Mittelpunkt des Austauschs. Unter der Moderation von Matthias Schulze Steinmann, Chefredakteur topagrar, diskutierten Björn Fromm, Präsident des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels e.V. (BVLH), Dr. Björn Börgermann, Hauptgeschäftsführer des Milchindustrie-Verbandes e.V. (MIV), Klaus-Peter Lucht, Milchviehhalter und Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein e.V., sowie Thomas May, Geschäftsführer von QM-Milch e.V. Sie erörterten zentrale Fragestellungen rund um Wertschöpfung, Marktanforderungen und Verantwortung entlang der Milchkette.
Auch der VMB war beim Berliner Milchforum präsent: Vorsitzender Wolfgang Scholz, Hans Jürgen Seufferlein und Carmen Natterer brachten sich aktiv ein und förderten den fachlichen Austausch.
Ein wesentlicher Impuls ging dabei insbesondere vom Lebensmitteleinzelhandel aus: Es wurde deutlich gemacht, dass es wenig zielführend ist, innerhalb der Wertschöpfungskette gegenseitig Schuldzuweisungen vorzunehmen oder den „Schwarzen Peter“ weiterzureichen. Stattdessen sei es entscheidend, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen, um die Milcherzeugung in Deutschland zukunftsfähig weiterzuentwickeln und resilient gegenüber zunehmenden Marktvolatilitäten aufzustellen.
In der Diskussion wurde herausgearbeitet, dass hierfür ein abgestimmtes Handeln aller Akteure notwendig ist. Von politischer Seite werden verlässliche Rahmenbedingungen erwartet, insbesondere die Einführung der im Koalitionsvertrag vorgesehenen steuerfreien Risikoausgleichsrücklage sowie ein konsequenter Abbau bürokratischer Belastungen. Die Molkereien sind gefordert, bestehende Instrumente wie Preisabsicherungssysteme und Mengenprognosemodelle weiterzuentwickeln und Marktveränderungen zeitnah in der Milchpreisgestaltung abzubilden. Gleichzeitig wurde an den Lebensmitteleinzelhandel appelliert, seine Forderungen nach höheren Tierwohlstandards und Mehrwertprogrammen auch finanziell zu hinterlegen und diese nicht durch Preisdruck – insbesondere in Phasen fallender Märkte – zu konterkarieren. In diesem Zusammenhang wurde auch der Abbau unfairer Handelspraktiken als wichtiger Schritt betont. Nicht zuletzt spielt der Verbraucher eine zentrale Rolle: Eine höhere Zahlungsbereitschaft und Wertschätzung für Milch und Milchprodukte sind wesentliche Voraussetzungen, um zusätzliche Leistungen in den Bereichen Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz wirtschaftlich tragen zu können.
Zusammenfassend wurde deutlich, dass die gesamte Wertschöpfungskette aufeinander angewiesen ist. Ein Gegeneinander schwächt die Branche, während ein starkes Miteinander die Grundlage für eine nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Weiterentwicklung bildet. Alle Beteiligten eint die Überzeugung, dass Milch auch künftig eine wichtige Rolle spielt – umso mehr liegt es in der gemeinsamen Verantwortung aller Akteure, durch partnerschaftliches Handeln und eine faire Preisbildung die heimische Versorgung langfristig zu sichern.
Bild oben: Matthias Schulze Steinmann (Moderator), Thomas May (GF QM-Milch e.V.) Klaus-Peter Lucht Präsident Bauernverband Schleswig-Holstein e.V.), Dr. Björn Börgermann (Hauptgeschäftsführer MIV), Björn Fromm (Präsident BVLH)