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Tierseuche Teil 11 : Bovines Herpesvirus Typ 1 (BHV-1)

Das Bovine Herpesvirus Typ 1 (BHV-1) ist der Erreger der Infektiösen Bovinen Rhinotracheitis (IBR). Je nach Infektionsweg und betroffenem Organsystem kann BHV-1 auch Erkrankungen des Genitaltraktes verursachen, die als Infektiöse Pustulöse Vulvovaginitis (IPV) bzw. Infektiöse Balanoposthitis (IBP) bezeichnet werden.

Ursachen und Krankheitsbilder von BHV-1:

  • Infektiöse Bovine Rhinotracheitis (IBR):
    • Vor allem Erkrankungen der oberen Atemwege
    • Typische Symptome sind Fieber, Nasenausfluss, Husten und eine gerötete bzw. entzündete Nasenschleimhaut
    • Bei schweren Verläufen können auch die unteren Atemwege betroffen sein
  • Erkrankungen des Genitaltraktes (IPV/IBP):
    • Entzündungen und Bläschenbildung im Genitalbereich
    • Kann zu vorübergehenden Fruchtbarkeitsstörungen führen
    • Eine Übertragung ist insbesondere auch über infiziertes Sperma möglich
  • Verlauf und Latenz:
    • Nach einer Infektion kann das Virus lebenslang im Tier verbleiben
    • Das Virus zieht sich in Nervenzellen zurück und kann dort latent vorhanden sein
    • Durch Stress, Transporte oder andere Belastungen kann es reaktiviert und erneut ausgeschieden werden

Übertragung des Bovinen Herpesvirus Typ 1:

BHV-1 ist sehr ansteckend und kann sich insbesondere bei engem Tierkontakt schnell innerhalb einer Rindergruppe ausbreiten.

  1. Direkter Kontakt
    • Übertragung über Nasen-, Augen- und Genitalsekrete infizierter Tiere
    • Besonders relevant bei engem Tierkontakt
  2. Aerosole
    • Übertragung über die Atemluft, insbesondere bei engem Kontakt zwischen Tieren
    • Eine Ausbreitung über größere Entfernungen ist unter bestimmten Bedingungen ebenfalls möglich
  3. Indirekte Übertragung
    • Möglich über kontaminierte Gerätschaften, Kleidung oder Hände
    • Auch der Personen- und Tierverkehr kann zur Verschleppung beitragen
  4. Übertragung durch Sperma
    • Infiziertes Sperma kann das Virus übertragen
    • Daher spielt die Verwendung von geprüftem und entsprechend zugelassenem Sperma eine wichtige Rolle

Maßnahmen gegen BHV-1:

BHV-1 hat in Deutschland eine besondere seuchenrechtliche Bedeutung. Deutschland gilt seit 2017 als BHV-1-frei. Ziel der Bekämpfung ist es, diesen Status zu erhalten und eine erneute Einschleppung und Verbreitung des Virus zu verhindern.

Wichtige Maßnahmen sind daher insbesondere:

  • Zukauf von Tieren möglichst aus BHV-1-freien Beständen
  • Einhaltung der vorgeschriebenen Untersuchungs- und Dokumentationspflichten
  • Konsequente Biosicherheit beim Tier- und Personenverkehr
  • Vermeidung unnötiger Kontakte zwischen unterschiedlichen Rinderbeständen
  • Verwendung von entsprechend kontrolliertem bzw. geprüftem Sperma
  • Bei Verdacht auf eine Infektion unverzüglich den Hoftierarzt bzw. das zuständige Veterinäramt informieren

BHV-1 ist in Deutschland eine anzeigepflichtige Tierseuche. Bei einem Verdacht gelten daher besondere seuchenrechtliche Vorgaben. Ein konsequentes Biosicherheitsmanagement ist entscheidend, um den Eintrag und die Weiterverbreitung des Virus zu verhindern.

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