Am 28. Oktober 2026 nutzte der Verband der Milcherzeuger Bayern (VMB) die Gelegenheit zum intensiven Austausch mit Thomas May, seit Februar diesen Jahres Geschäftsführer des QM-Milch e.V. in Berlin. Im Mittelpunkt des Veranstaltungstages standen die Herausforderungen der Milcherzeugung in Süddeutschland, die Perspektiven sowie die aktuellen Änderungen im QM-Standard 2026.
Betriebsbesuche: Herausforderungen von Haltungsform 3 in Süddeutschland
Zum Auftakt besuchte die Gruppe die Milchviehbetriebe von Irmgard Posch in Isen im Landkreis Erding und Josef Andres in Pfaffing im Landkreis Rosenheim. Ziel war es, Thomas May unterschiedliche betriebliche Situationen zu zeigen und die besonderen Herausforderungen von Betrieben ohne unmittelbaren Weidezugang zu verdeutlichen.
Insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg mit etwa 60 Prozent der deutschen Milcherzeuger gibt es nach wie vor zahlreiche Betriebe mit Anbindehaltung oder Kombinationshaltung. Für viele dieser Betriebe stellt die Umstellung auf Haltungsform 3 eine erhebliche Herausforderung dar. Der Bau von Auslaufflächen oder die Schaffung eines Weidezugangs ist häufig mit baulichen, betrieblichen und wirtschaftlichen Hürden verbunden.
Der Austausch vor Ort verdeutlichte, dass manchmal nur geringfügige Änderungen an den Anforderungen von Qualitätssicherungssystemen für die Milcherzeuger weitreichende Folgen haben können. Neue Kriterien ziehen oftmals bauliche Maßnahmen und Investitionen nach sich. Umso wichtiger ist es, die regionalen Gegebenheiten und die unterschiedlichen betrieblichen Ausgangssituationen bei der Weiterentwicklung von bundesweit geltenden Standards zu berücksichtigen.
Austausch beim Milchwerk Jäger: Perspektiven für weitere Zusammenarbeit mit QM-Milch
Im Anschluss führte der Weg zum Milchwerk Jäger GmbH nach Haag in Oberbayern. Dort standen neben den aktuellen Entwicklungen in der Milchwirtschaft insbesondere die bisherige Zusammenarbeit mit QM-Milch als Systemgeber im Mittelpunkt.
Des Weiteren standen die bestehenden Herausforderungen durch die unterschiedlichen Qualitätssicherungssysteme in Deutschland und Österreich, insbesondere den QM-Milch-Standard und das AMA-Gütesiegel auf der Agenda. Dabei wurden Unterschiede bei den Anforderungen und deren praktische Auswirkungen auf Milcherzeuger und Molkereien thematisiert. Der offene Austausch bot Gelegenheit, unterschiedliche Sichtweisen zusammenzubringen und mögliche Ansatzpunkte für die Zukunft zu erörtern. Eine anschließende Werksführung ermöglichte zudem Einblicke in die Abläufe und die Arbeit des Milchwerks, wo hauptsächlich Molkereiprodukte des gelben Sortiments hergestellt werden.
Praxis und Perspektiven im Mittelpunkt
Der Veranstaltungstag verband konkrete Einblicke in die betriebliche Praxis mit dem fachlichen Austausch zwischen Milcherzeugern, Molkereiwirtschaft und QM-Milch. Sowohl bei den Betriebsbesuchen als auch im Gespräch mit dem Milchwerk Jäger wurde deutlich, wie wichtig es ist, die unterschiedlichen Voraussetzungen der Betriebe in Süddeutschland zu berücksichtigen und praxistaugliche Lösungen für die Weiterentwicklung von Haltungsformen und Qualitätssicherungssystemen zu finden.
Der VMB bedankt sich bei Thomas May für die Bereitschaft zum konstruktiv-kritischen Austausch vor Ort sowie bei Irmgard Posch, Josef Andres und dem Milchwerk Jäger für die gewährten Einblicke in ihre Unternehmen und die Gastfreundschaft.
Bild oben: v.l. Josef Andres (VMB), Thomas Schmidt (BBV), Peter Köninger (BBV), Thomas May (QM-Milch), Irmgard Posch (Landwirtin), Wolfgang Scholz (VMB), Carmen Natterer (VMB), Franz Mitterberger (VVG)