Agnes und ihr Mann Alois haben schätzen das viele Weideland um ihren Hof.
Das Interview haben wir im Februar 2026 geführt.
Alois Riedenauer hat den Hof seiner Großeltern übernommen. Zusammen mit seiner Frau Agnes modernisiert er den Milchbetrieb und macht ihn Schritt für Schritt zukunftsfähig.
Generationenwechsel
Seine Großeltern hatten den Berchtoldhof Jahrzehnte lang bewirtschaftet. Als Kind verbrachte Alois Riedenauer dort die Sommerferien. Vor allem die Begeisterung der Oma schürte bei ihm den Wunsch Landwirt zu werden. „Oma und Opa haben den Hof bewirtschaftet ohne zu wissen, wie es weiter gehen wird. Denn keines ihrer Kinder blieb auf dem elterlichen Betrieb. Sie fielen für eine Hofnachfolge aus“, sagt Alois Riedenauer.
Der Enkel hatte Lust auf Landwirtschaft, es war seinen Traumberuf. Als er 2012 mit der Ausbildung fertig war, übernahm er den Hof der Großeltern. Da war er gerade 18 Jahre alt. Seitdem ist auf dem Berchtoldhof einiges passiert. „In den Hof wurde schon viele Jahre nicht mehr investiert. Da musste ich was machen“, sagt Riedenauer. Wichtig war vor allem die Umstellung von Anbinde auf Laufstallhaltung – eine große Investition. Seit 2020 lebt und arbeitet seine Frau Agnes mit auf dem Hof. Die Großeltern sind mittlerweile verstorben. Die nächste Generation wächst heran: Zwei Kinder hat das Paar, das dritte ist unterwegs.
Milchbetrieb im Vollerwerb
Der Berchtoldhof gehört zur Gemeinde Weyarn, knapp 40 Kilometer südlich von München. Er ist ein Vollerwerbsbetrieb mit etwa 60 Kühen und 45 Hektar Land. Alois und Agnes Riedenauer meistern die tägliche Arbeit zu zweit. Unterstützung kommt gelegentlich von Alois Vater. „Die Stallarbeit machen wir gemeinsam. Ich betreue tagsüber die Kinder und kümmere mich ums Organisatorische. Alois macht die landwirtschaftlichen Arbeiten draußen“, erzählt Agnes Riedenauer. Die Milch geht an die Molkerei Bergader. Neben der Milchwirtschaft betreiben sie auch Forstwirtschaft.
Vielseitiger Alltag
„Einen typischen Tag gibt’s eigentlich nicht“, sagt Alois Riedenauer. „Pflicht ist nur die Stallarbeit morgens und abends, ansonsten bringt jeder Tag neue Herausforderungen und Aufgaben, ergänzt seine Frau. Diese Abwechslung sei mit das Schönste am Job, da ist sich das junge Paar einig.
Zufrieden mache sie auch die Arbeit mit den Tieren und mit der Natur. Im Frühjahr geht’s los mit der Wiesenpflege. Im Sommer stehen die Kühe draußen und die Riedenaurers holen sie morgens und abends zum Melken in den Stall. Im Herbst kalben die Kühe und den Winter verbringen Kühe und Kälber drinnen. „Für uns steht dann die Stallarbeit im Vordergrund – mit einstreuen, füttern, melken und die vielen Kälber versorgen“, sagt Agnes Riedenauer.
Hingucker Kurzrasenweide
Der Berchtoldhof liegt in Alleinlage, umgeben von Weiden, Wiesen und Moorflächen. Die Kühe grasen im Sommer rings um den Hof. „Das ist schon eine Besonderheit, dass wir so viel Weideland direkt um uns herum haben“, sagt Alois Riedenauer. „Das ist auch die Voraussetzung für unsere Art der Weidehaltung“, ergänzt Agnes Riedenauer. Sie haben sich auf das System Kurzrasenweide spezialisiert. Da grasen die Kühe die Flächen kontinuierlich ab, dass das Gras nie höher wächst als acht Zentimeter. Im Sommer misst der Bauer deshalb regelmäßig die Grashöhe auf den Weiden und treibt die Kühe dann auf Flächen, wo das Gras droht höher zu wachsen. „Dadurch bekommen wir einen kräftigen dichten Bewuchs - fast wie ein Fußballrasen“, erklärt Alois Riedenauer, „das verbessert die Futterqualität enorm.“
Das kurz gehaltene Gras enthält mehr Nährstoffe und ist für die Kühe leichter verdaulich, was sich positiv auf Milchleistung und Gesundheit der Tiere auswirkt. Im Sommer spart das dem Paar dadurch auch viel Arbeit und Futterkosten. Auch der Boden profitiert, weil er durch die dichte Grasnarbe vor Erosion geschützt ist und besser Wasser speichern kann. „Ich glaube, wir werden trotzdem belächelt. Dass das klappt, finden einige schwer zu glauben“, sagt der junge Landwirt. Andere hingegen kommen extra aus Österreich, um sich bei den Riedenauers über die Kurzrasenweide zu informieren.
Die Kühe
Die Großeltern hatten mit dem für Bayern traditionellen Fleckvieh gearbeitet. Agnes und Alois Riedenauer wollen nun ihre Herde möglichst gut anpassen an die Kurzrasenweide. Deshalb haben sie angefangen das Fleckvieh einzukreuzen mit Rotvieh und der französischen Rinderrasse Montbéliarde. Beide Rassen stehen in ihren Ursprungsländern auch sehr viel auf der Weide und sind gute Futterverwerter mit etwas höherer Milchleistung als das Fleckvieh. Durch das stetige Kreuzen lassen sich die positiven Eigenschaften von allen drei Rassen in einer Kuh vereinen. „Unser Ziel ist, dass wir eine sehr fruchtbare, leistungsbereite Kuh haben, die im Winter eine hohe Milchleistung bringt und im Sommer nur aus Gras, ohne Zufütterung, auch eine gute Milchleistung erreicht“, erklärt der Landwirt.
Umstellen auf Bio?
Im Zuge der Modernisierung des Hofes haben Agnes und Alois Riedenauer auch über die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft nachgedacht. „Wegen der besonderen Weidehaltung sind wir prädestiniert für Biolandwirtschaft“, sagt Alois. Das Grundfutter stellt der Hof selbst her. Aber im Winter füttern sie Saftfutter zu – Zuckerrübenschnitzel und Biertreber. Die stehen in der Region kaum in Bio-Qualität zum Verkauf. Das Paar ist nicht abgeneigt gegenüber der Biolandwirtschaft. Aber momentan passe es gut so wie es ist.
Zukunftsperspektiven
Um den Betrieb weiter zukunftsfähig zu machen, plant die Familie, den Hof für Besucherinnen und Besucher zu öffnen. Vielleicht als Erlebnisbauernhof, vielleicht auch, indem die die alten Wirtschaftsgebäude als Ferienwohnungen umbauen. „Ich finde es wichtig, den Leuten zu zeigen, wie die Landwirtschaft funktioniert. Heute haben nur noch sehr wenig Menschen Berührungspunkte mit der Landwirtschaft, ich möchte sie ihnen wieder näher bringen“, sagt Agnes Riedenauer.
Die Milchfluencerin
Die junge Frau engagiert sich deshalb als Milchfluencerin beim Verband der Milcherzeuger Bayern. Sie gibt auf Instagram Einblicke in ihren Hofalltag. „Ich finde es gut, die Leute da abzuholen, wo sie sind – am Handy“, sagt Agnes Riedenauer. Sie findet es auch spannend und wichtig sich selbst wieder mehr mit den Themen und Fragen auseinanderzusetzen. Verbraucherinnen und Verbrauchern erklärt sie in Bildern und mit kurzen Videos, wie auf ihrem Hof Landwirtschaft funktioniert. Ein überraschender Nebeneffekt ist für sie das Netzwerk, das mit anderen Betrieben durch das Milchfluencer-Projekt entsteht. „Zu erfahren und zu sehen, wie die anderen wirtschaften, welche Systeme sie nutzen und dass man mit dem, was man macht nicht alleine ist – das tut gut“, findet Agnes Riedenauer.
© VMB | Interview: Valeska Zepp | Februar 2026 | Foto: Riedenauer