Eine aktuelle Studie der Universität Barcelona zeigt, dass sich A2-Milch künftig deutlich schneller und kostengünstiger identifizieren lassen könnte als bisher. Forschende um Vanessa Chirife untersuchten dabei den Einsatz der Mittelinfrarotspektroskopie (MIR) als Methode zur Authentifizierung von A2-Milch im Rahmen routinemäßiger Milchkontrollen.
Hintergrund: Warum ist A2-Milch interessant?
A2-Milch unterscheidet sich von herkömmlicher Milch durch eine genetische Variante des β-Kaseins. Vor allem Verbraucherinnen und Verbraucher mit Verdauungsproblemen greifen daher zunehmend zu A2-Milchprodukten. Viele Milchviehbetriebe stellen ihre Herden deshalb schrittweise auf A2-Genetik um.
Bisherige Nachweismethoden aufwendig
Die derzeit üblichen Verfahren zur Bestimmung des A2-Status – etwa PCR-Analysen oder Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC) – liefern zwar sehr präzise Ergebnisse, gelten jedoch als teuer, zeitaufwendig und personalintensiv. Für den großflächigen Routineeinsatz in der Milchwirtschaft sind sie daher nur eingeschränkt praktikabel.
Studie mit über 2.200 Milchproben
Im Rahmen der Untersuchung wurden 2.270 Milchproben von Holstein-Kühen aus sechs Milchviehbetrieben in Katalonien analysiert. Neben genetischen Daten erfassten die Forschenden auch Informationen zur Milchzusammensetzung sowie MIR-Spektren der Proben.
Die MIR-Technologie wird bereits heute routinemäßig in der Milchwirtschaft eingesetzt, beispielsweise zur Bestimmung von Fett-, Eiweiß- oder Laktosegehalt. Ziel der Studie war es zu prüfen, ob sich anhand dieser Spektraldaten auch zuverlässig zwischen A1- und A2-Milch unterscheiden lässt.
Hohe Trefferquote bei der Unterscheidung
Die Forschenden kombinierten die MIR-Daten mit statistischen Modellen (PLS-DA). Dabei gelang eine Unterscheidung zwischen A1-Milch (A1A1 und A1A2) und A2-Milch (A2A2) mit einer Genauigkeit von 88 % im Testdatensatz. Im Trainingsdatensatz lag die Trefferquote sogar bei 94 %.
Die Ergebnisse zeigen, dass MIR-Spektroskopie charakteristische Signale erfassen kann, die mit dem β-Kasein-Genotyp zusammenhängen. Besonders interessant: Die Methode könnte direkt in bestehende Milchkontrollsysteme integriert werden, ohne zusätzliche Laborverfahren durchführen zu müssen.
Potenzial für die Praxis
Nach Einschätzung der Forschenden besitzt die MIR-Spektroskopie großes Potenzial als schnelle, kostengünstige und nicht invasive Methode zur Authentifizierung von A2-Milch im Routineeinsatz.
Noch bestehen Einschränkungen bei der exakten Differenzierung einzelner Genotypen – insbesondere bei selten vorkommender A1A1-Milch. Für die grundlegende Unterscheidung zwischen A1- und A2-Milch liefert die Methode jedoch bereits heute vielversprechende Ergebnisse.
Fazit
Die Studie zeigt, dass vorhandene Milchkontrollsysteme künftig möglicherweise nicht nur Inhaltsstoffe, sondern auch genetisch bedingte Milchvarianten zuverlässig erfassen könnten. Für Molkereien und Erzeugerbetriebe könnte dies ein wichtiger Schritt sein, um A2-Milch effizienter zu kontrollieren und zu vermarkten.
Weitere Informationen erhalten Sie hier: https://www.journalofdairyscience.org/article/S0022-0302(25)00454-0/fulltext