Marianne und Peter Fischer

Auf dem Regerlhof arbeiten drei Generationen Hand in Hand. Milch und Käse gibt’s direkt ab Hof. 

Das Interview haben wir im Februar 2026 geführt.

Der Regerlhof am Chiemsee

Der Regerlhof 
Familie Fischer lebt in Prien am Chiemsee. Ihr Milchhof heißt Regerlhof. Er hat eine mehr als 500-jährige Geschichte. Der Hof ist ruhig gelegen und doch mittendrin. „Wir sind zu Fuß in einer Viertelstunde am Hafen oder in der Ortsmitte. Trotzdem liegen wir abseits des Touristenstroms“, sagt Marianne Fischer. Auf dem Regerlhof leben drei Generationen. „Wir sind eine Großfamilie – meine Schwiegereltern, mein Mann Peter und unsere drei Kinder. Sie sind zwölf, zehn und acht Jahre alt. Zum Hof gehört auch eine Ferienwohnung, die Gäste zwischen Ostern und Weihnachten mieten können.

Familienbetrieb
Der Arbeitstag beginnt für die Fischers kurz vor sechs Uhr in der Früh. Sie melken 45 Kühe, das dauert mit Vor- und Nachbereitung knapp zwei Stunden. Danach gibt’s Frühstück. Die Stallarbeit erledigt hauptsächlich Peter Fischer. Er ist Landwirtschaftsmeister und hat 2006 den Hof von seinen Eltern übernommen. Sein Vater (85) hilft täglich bei der Stallarbeit. Seine Mutter hat sich bislang um die Kälber gekümmert. Das musste die fast 80-Jährige nun aus gesundheitlichen Gründen schweren Herzens an ihre Schwiegertochter abgeben. Am frühen Abend, zwischen fünf und sieben, sind die Fischers noch mal zum Melken im Stall. Dazwischen machen alle, was auf dem Hof ansteht. Die Aufgaben ändern sich je nach Jahreszeit. Im Winter fährt Peter Fischer zum Beispiel Winterdienst. Je nach Schneefall steht er dann schon mal um 3 Uhr nachts auf, um für die Gemeinde Straßen mit dem Schneepflug zu räumen. Ab dem Frühjahr kommen regelmäßig Übernachtungsgäste, und die Feldarbeiten gehen los. Im Sommer kommt die Heuernte dazu, denn das Futter für die Tiere kommt auf dem Regerlhof überwiegend aus eigenem Anbau.

Quereinsteigerin
Marianne Fischer ist gelernte Kinderkrankenschwester und Quereinsteigerin in der Landwirtschaft. Der Schichtdienst im Krankenhaus hatte sich nicht gut mit dem landwirtschaftlichen Rhythmus und der Betreuung von drei Kindern vertragen. „Ich habe einen zwei Wochen Crash-Kurs fürs Melken gemacht beim Versuchs- und Bildungszentrum Achselschwang“, sagt Marianne Fischer. Ansonsten sei es in der Landwirtschaft viel „learning by doing“. Heute kann sie ihren Mann in allen Schritten beim Melken vertreten. „Jetzt, wo ich die Kälber übernommen habe, mussten allerdings die Kinder etwas selbständiger werden am Morgen, um den Schulbus nicht zu verpassen“, sagt Marianne Fischer.

Die Kühe
Die Kühe im Stall sind Fleckvieh - eine Zwei-Nutzungsrasse. „Wenn eine Kuh nicht mehr trächtig wird und die Milch zur Neige geht, können wir sie noch ein bisschen füttern und einen guten Schlachtpreis erzielen“, erklärt Marianne Fischer. „Die Stierkälber können wir besser vermarkten, weil das Fleckvieh auch Fleisch ansetzt, statt die komplette Leistung in Milch umzusetzen.“ Die weiblichen Kälber bleiben fast alle auf dem Hof  für die eigene Nachzucht. Von Mai bis Oktober dürfen die jungen Kühe auf die Alm am Adersberg bei Rottau. Die Milchkühe stehen seit 2014 in einem Laufstall. „Ich war heilfroh, als wir den Stall renoviert und vom Anbindestall auf den Laufstall umgebaut haben“, sagt Marianne Fischer. „Die Tiere können sich jetzt im Stall frei bewegen, und der neue Stall ist heller und luftiger.“

Direktvermarktung 
Kundinnen und Kunden bekommen durch die Direktvermarktung einen Einblick in Stall und Hof. Es ergeben sich Gespräche, und die Menschen stellen Fragen: über Kühe, zur landwirtschaftlichen Arbeit, zum Tierwohl. „Da muss man schon offen sein“, sagt Marianne Fischer und lacht: „Es überrascht uns dann doch manchmal, dass wir Erwachsenen erklären müssen, was Kühe fressen und dass wir zweimal am Tag melken.“ Es mache ihr Spaß über die Arbeit und die Landwirtschaft zu berichten. Die direkte Vermarktung sei zwar zusätzliche Arbeit. Aber auch ein weiteres Standbein, das sie ein bisschen unabhängiger mache.

Regionales Netzwerk
Vom befreundeten Imker aus dem Nachbarort verkaufen die Fischers den Honig. Eier vertreiben sie vom Hof der Kollegin Maria Riepertinger. Und die Naturland-Schäferei aus Prien liefert Wurstprodukte für den Automaten am Regerlhof. „Wir wollen, dass man sich mit regionalen Produkten versorgen kann. Jeder Kilometer, den Milch, Eier und Käse nicht transportiert werden, spart Energie.“

Regenerative Energien
Auf dem Hof setzt Peter Fischer schon seit vielen Jahren auf erneuerbare Energie. 2008 hat er eine Holzhackschnitzel-Heizung angeschafft. Holz aus dem eigenen Wald häckselt er seitdem klein und beheizt mit dem regionalen Brennstoff das Bauernhaus und das Zuhaus, in dem seine Eltern leben. Eine PV-Anlage für Solar-Strom hat der Regerlhof seit 2013 auf dem Dach.  

Die Milchfluencerin
Den Menschen zu zeigen, was es heißt Milchwirtschaft zu betreiben, liegt Marianne Fischer am Herzen. Aus diesem Grund hat sich der Regerlhof als Erlebnisbauernhof qualifiziert. Gelegentlich ermöglichen Peter und Marianne Fischer Kindergartenkindern und Schulklassen den Hofalltag mitzuerleben und zu lernen, wie man aus Milch Frischkäse herstellen oder Butter schütteln kann. Zudem engagiert sich Marianne Fischer als Milchfluencerin beim Verband der Milcherzeuger Bayern (VMB). Auf Instagram gibt sie Einblicke in ihren Arbeitsalltag. „Wir sind 365 Tage im Jahr im Einsatz, das will ich zeigen“, sagt Marianne Fischer, „und wie wichtig es uns ist, mit den Tieren gut umzugehen. Wir ziehen die Kälber ja groß, sorgen dafür, dass sie gesund bleiben und bauen Beziehungen auf. Jede Kuh hat ihren eigenen Charakter.“

Werbung für Wertschätzung
Sie wünscht sich, dass Milch als Grundprodukt wieder mehr Wertschätzung erhält. „Wenn ich Milch in meine Ernährung mit einbaue, dann habe ich ein tolles Produkt mit Vitaminen und Mineralstoffen, das regional produziert wird.“, sagt Marianne Fischer.

© VMB | Interview: Valeska Zepp | Februar 2026 | Foto: Fischer