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Digitale Weideführung im Spannungsfeld von Technik und Tierwohl

Die digitale Weidebegrenzung ohne feste Zäune – sogenanntes Virtual Fencing – entwickelt sich zu einer innovativen, zugleich aber kontrovers diskutierten Technologie in der Weidehaltung. Dabei tragen die Tiere GPS-basierte Halsbänder, mit denen virtuelle Grenzen definiert werden. Nähern sie sich diesen Bereichen, erfolgt zunächst ein akustisches Warnsignal, bei weiterer Annäherung ein elektrischer Impuls. Ziel ist es, Tierbewegungen flexibel zu steuern und Weideflächen effizienter zu nutzen.

Eine aktuelle Studie von Forschenden der Universität Göttingen untersucht die Auswirkungen virtueller Weidezäune auf das Verhalten von Rindern. In der Untersuchung mit 31 Färsen wurden GPS-Bewegungsdaten bei virtuellen und herkömmlichen Elektrozäunen verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass nicht die Art des Zauns, sondern vor allem die von den Tieren wahrgenommene Weidegrenze entscheidend ist. Die Tiere zeigten bei beiden Systemen ähnliche Verhaltensmuster. Gleichzeitig führte Virtual Fencing zu einer gleichmäßigeren Verteilung der Tiere auf der Weide. Die Studie liefert damit wichtige Hinweise zur Praxistauglichkeit und zu den möglichen Auswirkungen auf das Tierwohl.
Die Originalstudie ist hier zu finden: https://www.uni-goettingen.de/de/73613.html?id=8221&utm_source=chatgpt.com

Technische Voraussetzungen und Chancen

Die Funktionssicherheit hängt wesentlich von GPS-Genauigkeit, Akkuleistung, Netzverbindung und Softwarestabilität ab. Technische Ausfälle können die Tierführung kurzfristig beeinträchtigen.
Die Vorteile liegen insbesondere im flexiblen Flächenmanagement und in der Arbeitswirtschaft. Weidegrenzen können ohne bauliche Maßnahmen angepasst werden, was bei Portionsweiden, wechselnden Aufwüchsen oder witterungsbedingten Veränderungen hilfreich ist. Zudem lassen sich sensible Naturräume gezielt schützen oder aus der Beweidung ausschließen.

Die Systeme liefern kontinuierliche Positions- und teilweise Aktivitätsdaten der Tiere und ermöglichen dadurch Rückschlüsse auf Nutzungsmuster und mögliche Veränderungen im Verhalten. In arbeitsintensiven Betrieben kann der Aufwand für Zaunbau, Kontrolle und Instandhaltung reduziert werden.

Tierschutzfachliche und rechtliche Bewertung

Der Einsatz von Virtual Fencing steht in Deutschland in der Diskussion mit dem Tierschutzgesetz sowie haftungs- und versicherungsrechtlichen Anforderungen. Der Einsatz elektrischer Impulse stellt grundsätzlich eine Einwirkung auf das Tier dar. Gleichzeitig liegt die Intensität nach aktuellen technischen Standards in der Regel nicht über der konventioneller Elektrozäune.

Die Impulse erfolgen nicht dauerhaft, sondern gezielt und lernbasiert. Die Tiere können die virtuelle Grenze mit der Zeit über das akustische Signal verknüpfen. Die Ergebnisse der Göttinger Studie zeigen, dass sich die Tiere an virtuelle Begrenzungen ähnlich anpassen wie an klassische Elektrozäune. Dennoch sind weitere Untersuchungen zu langfristigen Auswirkungen auf Stress, Lernverhalten und Tierwohl erforderlich.
Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Einzäunungs- und Sicherungspflicht. Tierhalter müssen gewährleisten, dass Tiere nicht unkontrolliert entweichen können. Da virtuelle Zäune rechtlich derzeit nicht in allen Fällen eindeutig als gleichwertige Einfriedung anerkannt sind, besteht insbesondere im Versicherungsbereich weiterer Klärungsbedarf.

Wirtschaftliche Bedeutung und Fazit

Wirtschaftlich ist Virtual Fencing differenziert zu betrachten. Die Systeme verursachen Investitions- und laufende Kosten, während der Nutzen stark von Betriebsstruktur, Flächengröße und Managementsystem abhängt. Besonders interessant können sie für Betriebe mit flexiblen Weidesystemen oder großflächiger Bewirtschaftung sein.

Virtual Fencing bietet ein hohes Innovationspotenzial für die Weidehaltung, insbesondere bei Flexibilität, Flächenmanagement und Arbeitswirtschaft. Die aktuelle Forschung zeigt, dass virtuelle Grenzen von Rindern ähnlich genutzt werden können wie konventionelle Elektrozäune. Gleichzeitig bleiben Fragen zur rechtlichen Einordnung und zur langfristigen Tierwohlbewertung offen. Die Technologie sollte daher weiterhin wissenschaftlich begleitet und praxisnah weiterentwickelt werden.

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