Die Auswertung der Grassilagequalitäten 2025 in Bayern zeigt insgesamt ein außergewöhnlich hohes Niveau, wobei sich zwischen den Regierungsbezirken dennoch differenzierte Leistungsunterschiede erkennen lassen. Zu beachten ist dabei ausdrücklich, dass sich die vorliegenden Futteruntersuchungen ausschließlich auf den ersten Schnitt beziehen. Die dargestellten Zusammenhänge zwischen Grundfutterqualität und Milchleistung beziehen sich somit primär auf die Qualität der ersten Grassilageernte und nicht auf die gesamte Jahresfutterbasis.
Die Energiegehalte (NEL) bewegen sich in einer Spannweite von etwa 6,2 bis 6,6 MJ/kg TM und liegen damit durchgehend im Bereich guter bis sehr guter Silagequalität. Besonders hervorzuheben ist Oberbayern mit Spitzenwerten von bis zu 6,6 MJ NEL/kg TM, etwa in den Regionen Miesbach und Traunstein. Auch Niederbayern erreicht konstant hohe Energiewerte, während Oberpfalz und Mittelfranken im stabilen Mittelfeld liegen. Unterfranken und Schwaben befinden sich tendenziell am unteren Rand der Spannweite. Diese scheinbar kleinen Unterschiede sind produktionstechnisch hoch relevant, da sie sich direkt auf die mögliche Milchbildungsleistung auswirken.
Die Milchleistungsdaten 2025 bestätigen diesen Zusammenhang in bemerkenswerter Weise. Bayernweit lag die durchschnittliche Milchleistung bei 8.628 kg Milch je Kuh mit 4,18 % Fett und 3,55 % Eiweiß bei einer Zellzahl von 203.000 Zellen/ml. Besonders hohe Milchleistungen wurden in Unterfranken mit 9.306 kg, Mittelfranken mit 8.909 kg, der Oberpfalz mit 8.861 kg sowie Mühldorf mit 8.827 kg erzielt. Gleichzeitig zeigen Regionen mit hoher Grundfutterqualität und hoher Energiedichte – insbesondere Teile Oberbayerns und Niederbayerns – ebenfalls stabile und leistungsfähige Produktionsniveaus. Auffällig ist dabei, dass Regionen mit sehr hohen Energiewerten nicht zwangsläufig die absolut höchsten Milchmengen erreichen. Dies verdeutlicht, dass neben der Qualität des ersten Schnitts zusätzlich Faktoren wie Kraftfuttereinsatz, Betriebsstruktur, Genetik, Nutzungsintensität, Grünlandanteil sowie klimatische und standörtliche Bedingungen die tatsächliche Milchleistung maßgeblich beeinflussen.
Dennoch zeigt sich im Jahr 2025 der Zusammenhang zwischen Grundfutterqualität und Milchleistung besonders deutlich. Die überdurchschnittlichen Energiegehalte der Grassilagen bei gleichzeitig hoher Verdaulichkeit der organischen Masse führten zu einer erhöhten Trockenmasseaufnahme sowie zu einer verbesserten energetischen Versorgung der Milchkühe. Dadurch konnte ein größerer Anteil des Energiebedarfs direkt über das Grundfutter gedeckt werden, was die Abhängigkeit von leistungssteigernden Kraftfutteranteilen reduzierte und die Futtereffizienz insgesamt verbesserte.
Insbesondere in Regionen mit NEL-Gehalten im oberen Bereich der Spannweite ergaben sich daraus deutliche produktionstechnische Vorteile. Bereits vergleichsweise geringe Unterschiede in der Energiekonzentration des Grundfutters wirken sich signifikant auf die Milchbildungsleistung aus, da sie sowohl die Energieaufnahme als auch die ruminale Fermentation positiv beeinflussen. Vor dem Hintergrund der 2025 beobachteten hohen Milchmengen ist daher davon auszugehen, dass die extrem hohe Qualität des ersten Schnitts einen wesentlichen Beitrag zur Leistungsstabilisierung und teilweise auch zur Leistungssteigerung geleistet hat.
Die Ursachen für dieses außergewöhnliche Jahr liegen in einer selten günstigen Kombination von Witterungsfaktoren. Geringe Niederschläge im Winter sowie im Frühjahr führten zunächst zu knappen Bodenwasserverhältnissen, während gleichzeitig hohe Temperaturen und intensive Sonneneinstrahlung die Photosyntheseleistung begünstigten. Entscheidend war jedoch die kühle Phase vor dem ersten Schnitt: Sie verlangsamte die Verholzung der Pflanzen und führte zu einer Verzögerung der Faserbildung. Dadurch konnte ein erster Schnitt eingebracht werden, der sowohl mengenmäßig als auch qualitativ überdurchschnittlich ausfiel.
Die Trockenheit im Juni stellte regional zwar eine Herausforderung dar und führte teilweise zu Einschränkungen oder Ausfällen späterer Schnitte, doch die Niederschläge ab Juli sorgten vielerorts wieder für kräftiges Wachstum und gute Folgeschnitte. Da die vorliegenden Analysewerte jedoch ausschließlich den ersten Schnitt betreffen, ist bei einer Gesamtbewertung des Futterjahres eine gewisse fachliche Zurückhaltung erforderlich. Aussagen zur vollständigen Jahresfutterqualität oder zur gesamten Grundfutterleistung können daraus nur eingeschränkt abgeleitet werden.
Die Analysewerte des ersten Schnitts bestätigen die besondere Qualität dennoch deutlich: hohe Energiegehalte, eine sehr gute Verdaulichkeit der organischen Masse sowie Rohproteingehalte oberhalb der Orientierungswerte. Details zur Proteinbewertung, unter anderem MCP-, UDP- und RMD-Gehalte, sind in den Auswertungen der Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft umfassend dargestellt und können dort vertieft eingesehen werden. Für die praktische Milchproduktion steht jedoch vor allem im Vordergrund, dass die Kombination aus hoher Energiedichte und guter Verdaulichkeit die zentrale Grundlage für hohe Milchleistungen bildet.
Besonders einzuordnen ist dieses Ergebnis im Kontext der regional sehr unterschiedlichen Herausforderungen der Grünlandbewirtschaftung. In Oberbayern erschweren beispielsweise Höhenlagen, kurze Vegetationsperioden und witterungsbedingte Erntefenster üblicherweise die Produktion gleichmäßig hochwertiger Silagen. In Niederbayern spielen dagegen häufig Trockenperioden und intensive Nutzungssysteme eine Rolle, während in Unterfranken strukturelle Trockenheit und geringere Niederschläge limitierend wirken. Auch in Schwaben und Teilen Mittelfrankens sind Standortunterschiede, Bodengüte und Niederschlagsverteilung entscheidende Einflussfaktoren.
Vor diesem Hintergrund ist es fachlich besonders bemerkenswert, dass im Jahr 2025 nahezu bayernweit ein derart hohes Qualitätsniveau des ersten Schnitts erreicht wurde. Die regionalen Unterschiede bleiben zwar bestehen, treten jedoch hinter dem insgesamt außergewöhnlich hohen Niveau zurück.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass 2025 – insbesondere im Hinblick auf den ersten Grassilage-Schnitt – ein in dieser Breite seltenes Spitzenjahr darstellt. Die Kombination aus verzögerter Pflanzenalterung, hoher Energiedichte und ausgezeichneter Verdaulichkeit schuf eine Grundfutterbasis, die wesentlich zur hohen Leistungsfähigkeit der Milchviehbestände beitrug. Die Milchleistungsdaten 2025 bestätigen insgesamt ein hohes Produktionsniveau in Bayern. Gleichzeitig zeigt der regionale Vergleich, dass hohe Milchleistungen stets das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aus Grundfutterqualität, Fütterungsmanagement, Genetik, Standortbedingungen und Betriebsintensität sind.
Konkrete Kennzahlen und weiterführende Detailauswertungen zu Energie-, Protein- und Verdaulichkeitsparametern sind in der LfL-Auswertung „Grassilage 1. und Folgeschnitte 2025“ dargestellt und können dort im Detail nachvollzogen werden.
https://www.lfl.bayern.de/mam/cms07/ite/dateien/grassilage_1._und_folgeschnitte_2025.pdf
Genauere Informationen zu den Milchleistungsdaten in Bayern erhalten sie unter:
https://www.lkv.bayern.de/wp-content/uploads/2026/04/20260428-MLP-Jahresbericht_web.pdf