Mitte Juli fand in Kempten die ordentliche Mitgliederversammlung der Süddeutschen Butter- und Käsebörse statt. Der Mitgliederversammlung vorgeschaltet war wie immer eine Sitzung des Börsenausschusses, dem seit drei Jahrzehnten auch die VMB-Geschäftsführung angehört. Erstmals geleitet wurden die Gremien von Ulrich Kraut, der im Vorjahr den Vorsitz von Dr. Markus Albrecht vom Milchwirtschaftlichen Verein Baden-Württemberg übernommen hatte. Während sich im Ausschuss sehr offen über die von den finanzierenden Verbänden aus Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen geforderte eingeschlagene Weiterentwicklung, aber auch über Kritik an der Arbeit der Börse ausgetauscht wird, war bei der Mitgliederversammlung "naturgemäß" bei einer öffentlichen Veranstaltung mit Presse mehr Abwägung geboten - trotz der gewünschten und auch notwendigen Transparenz!
Eine Wahl stand in diesem Jahr - mit Ausnahme der Bestätigung der Rechnungsprüfer - nicht an. So waren also die bekannten Regularien wie Bericht über das Geschäftsjahr 2025, Rechnungslegung und Wirtschaftsplan, Bericht der beiden Rechnungsprüfer und die Entlastung von Vorstand, Börsenausschuss und der Geschäftsführung auf der Tagesordnung. Ein unerwarteter Diskussionspunkt war die wenige Tage vor der Mitgliederversammlung bekannt gewordene Mitteilung des Milchwirtschaftlichen Vereins Baden-Württemberg, ab sofort seine Zuwendung zur Finanzierung der Börse einzustellen. Dass mit Reden meist mehr erreicht wird als mit Schreiben, zeigte einmal mehr die anschließende Diskussion, wo durch die anwesenden Verantwortlichen des Milchwirtschaftlichen Vereins zumindest eine Relativierung erkennbar war. Und dass es keine grundsätzliche Kritik an der Arbeit der Börse gibt, sondern die Ursachen vielmehr im Umfeld und mit Vorgängen aus jüngster Vergangenheit zu suchen sind.
Mögen die Grundsätze der Börse „Neutralität, Klarheit, Wahrheit“ von manchem Akteur nicht mehr gehört werden wollen, sind sie doch aktueller den je. Der Milchmarkt ist sehr transparent und wird auch von vielen Akteuren, Organisationen, Wirtschaftsverbänden und Unternehmen wie Molkereien beschrieben. Ohne jemanden etwas unterstellen zu wollen: Wie in der Politik und anderen Bereichen sieht jeder den gleichen Markt "etwas" anders - und verfolgt natürlich mit seiner nicht ganz objektiven Sichtweise auch ein bestimmtes Ziel. Wer also an der Arbeit der Börse, die sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlankt hat und Arbeitsprozesse optimiert hat, Kritik übt, sollte sich über die Folgen des möglichen Wegfalls einer unabhängigen Berichterstattung Gedanken machen. Dass im vergangenen Jahr Aldi und Co. die Butterpreise häufig nicht marktkonform festgelegt hat und die Börse bei der Notierung nachziehen musste, ist nicht der Börse selbst anzulasten. Mag es auch ein schräger Vergleich sein: Aber die Einflussnahme von US-Präsident Trump bei der FIFA auf eine Tatsachenentscheidung im Fußball (Sperre nach roter Karte) für einen US-Fußballer bei der kürzlich stattgefundenen Weltmeisterschaft sollte ein warnendes Beispiel sein.
Abgerundet wurde die diesjährige Mitgliederversammlung von einem Referat von Florian Hildebrand vom Finanzdienstleister StoneX zur Preisabsicherung, Risikomanagement im zuletzt doch sehr volatilen Milchbereich. Wer den Vortrag bereits häufiger gehört hat, lernt die Systematik der Preisabsicherung immer besser kennen. Vor allem Akteure, die in der Vergangenheit vehement Preisfestlegung vor Lieferung an die Molkerei gefordert haben, sollten sich mit solchen Instrumenten etwas genauer beschäftigen.
Textbeitrag: Dr. Hans-Jürgen Seufferlein