In Süddeutschland und angrenzenden Regionen wurden seit Juli vermehrt Rinder mit Fieber, Durchfall und deutlichem Milchleistungsrückgang gemeldet. Zunächst bestand der Verdacht auf eine Infektion mit dem Schmallenberg-Virus, jedoch verliefen die Untersuchungen auf Schmallenberg-, Blauzungen- und EHD-Virus negativ.
Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) konnte inzwischen ein bislang nicht näher charakterisiertes Orthobunyavirus der Simbu-Serogruppe nachweisen. Aufgrund seiner genetischen Nähe zum Shamonda-Virus wird der Erreger aktuell als „Shamonda-like“-Virus bezeichnet. Die Übertragung erfolgt nach derzeitiger Einschätzung – ähnlich wie bei Blauzungen- und Schmallenberg-Virus – durch blutsaugende Gnitzen (Culicoides spp.). Eine direkte Übertragung von Tier zu Tier ist bislang nicht nachgewiesen.
Bei erwachsenen Rindern verläuft die Erkrankung meist mild. Besonders relevant ist jedoch eine Infektion während der Trächtigkeit, da Infektionen der Föten zu Fruchtbarkeitsproblemen, Aborten, Totgeburten oder Fehlbildungen führen können. Das tatsächliche Risiko wird aktuell weiter untersucht.
Empfehlungen: Gnitzen schützen und Infektionen vorbeugen
Da sich die Gnitzenaktivität aktuell auf ihrem saisonalen Höhepunkt befindet, sollte der Schutz der Tiere vor Stichen bestmöglich umgesetzt werden. Folgende Maßnahmen können helfen, die Belastung zu reduzieren:
- Stallhaltung während der Hauptaktivitätszeiten der Gnitzen (insbesondere in der Abend- und Morgendämmerung)
- Einsatz von Fliegen- und Insektenbekämpfungsmaßnahmen im Stall, z. B.:
- Fliegenbänder, Fliegenrollen oder Fliegenfänger
- Fliegen- bzw. Gnitzenfallen
- Insektenschutznetze an Fenstern und Lüftungsöffnungen
- Regelmäßige Kontrolle und Reinigung von Stallbereichen, um die Vermehrung von Insekten zu erschweren:
- Feuchte Stellen, stehendes Wasser und verschmutzte Bereiche möglichst vermeiden
- Gülle- und Mistbereiche regelmäßig pflegen
- Weide- und Auslaufmanagement anpassen, wenn möglich:
- Tiere zu Zeiten mit hoher Gnitzenaktivität nicht unnötig lange auf stark belasteten Flächen halten
- Feuchte, windgeschützte Bereiche meiden, da diese häufig eine höhere Gnitzenbelastung aufweisen können
- Tierindividuelle Maßnahmen prüfen: Bei starker Insektenbelastung können nach Rücksprache mit dem Tierarzt geeignete Repellent- oder Insektizidmaßnahmen eingesetzt werden.
Bei Fieber, Durchfall, deutlichem Milchleistungsabfall oder einer Häufung von Aborten bzw. missgebildeten Kälbern sollte das „Shamonda-like“-Virus als mögliche Ursache berücksichtigt werden. Eine gezielte Diagnostik kann helfen, den aktuellen Kenntnisstand weiter auszubauen.
Nach bisherigen Erkenntnissen besteht kein Gesundheitsrisiko für den Menschen.