(c) Pitinan

Rückblick – INFOtreff Milch: Stabile Klauen für die langlebige Milchkuh - ein Leben ohne Lahmheit

Beim Online-INFOtreff des Verbandes der Milcherzeuger Bayern (VMB) am 4. November 2026 stand die Klauengesundheit der Milchkuh im Mittelpunkt. Dr. Andrea Fiedler von der Praxisgemeinschaft und Akademie für Klauengesundheit zeigte auf, welche Auswirkungen Klauenerkrankungen auf Tiergesundheit, Milchleistung und Wirtschaftlichkeit haben.

Wie bedeutend das Thema auch aus ökonomischer Sicht ist, verdeutlichten die vorgestellten Zahlen: Nach Ergebnissen der PraeRi-Studie sind durchschnittlich rund 35 % der Kühe lahm. Die wirtschaftlichen Verluste je Lahmheitsfall werden mit durchschnittlich 450 Euro beziffert. Diese entstehen unter anderem durch eine verminderte Milchleistung, reduzierte Fruchtbarkeit, zusätzliche Tierarztkosten und erhöhten Arbeitsaufwand. Hinzu kommen vorzeitige Tierabgänge, wenn Kühe aufgrund anhaltender oder wiederkehrender Klauenprobleme den Betrieb früher als geplant verlassen müssen. Lahmheiten sind somit nicht nur ein erhebliches Tiergesundheitsproblem, sondern auch ein bedeutender wirtschaftlicher Kostenfaktor.

Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf der frühzeitigen Erkennung und Vorbeugung von Klauenerkrankungen wie der Mortellaro-Krankheit, Sohlengeschwüren, Weiße-Linie-Defekten und Ballenhornfäule. Dr. Fiedler erläuterte, worauf bei der Bewegungsbeurteilung und täglichen Tierbeobachtung zu achten ist. Auch Veränderungen an Klauenform, Klauenlänge und Haut sollten regelmäßig kontrolliert werden. Je früher Auffälligkeiten erkannt werden, desto gezielter kann behandelt und einer Chronifizierung vorgebeugt werden.

Neben einer regelmäßigen, funktionellen Klauenpflege spielen die Haltungsbedingungen eine entscheidende Rolle. Insbesondere Trittsicherheit und Beschaffenheit der Laufgänge, Liegeboxenkomfort, Hygiene und Belüftung beeinflussen die Klauengesundheit. Auch eine bedarfsgerechte Fütterung sowie die Vermeidung von Stoffwechselbelastungen und Hitzestress wurden als wichtige Einflussfaktoren hervorgehoben.

Als Grundlage für ein erfolgreiches Klauengesundheitsmanagement stellte Dr. Fiedler einen Fünf-Punkte-Plan vor. Dieser umfasst die externe und interne Biosicherheit, die frühzeitige Erkennung und Dokumentation von Klauenproblemen mit gezielter Einzeltierbehandlung, die Reduzierung der Erregerbelastung sowie die konsequente Klauenpflege. Ergänzend dazu gilt es, betriebliche Ziele festzulegen und den Erfolg der Maßnahmen regelmäßig zu überprüfen.

Das große Interesse am Thema zeigte sich in der hohen Nachfrage nach der Veranstaltung, auch über die bayerischen Grenzen hinaus. Der Vortrag wurde bis zum Ende von gut 150 Teilnehmenden aufmerksam verfolgt und durch zahlreiche fachlich fundierte Fragen aus der Praxis ergänzt. Der intensive Austausch unterstrich die hohe Relevanz der Klauengesundheit für die Milchviehbetriebe.

Der INFOtreff verdeutlichte, wie eng Tierwohl und Wirtschaftlichkeit miteinander verbunden sind. Ein frühzeitiges und konsequentes Klauengesundheitsmanagement hilft, Lahmheiten, Leistungseinbußen und vorzeitige Tierabgänge zu reduzieren. Damit leistet es einen wichtigen Beitrag zu gesunden, langlebigen Milchkühen und zum wirtschaftlichen Erfolg des Betriebes.

Zurück zur Listenansicht

Wir sind für Euch da und
unterstützen Euch.

Hier erfahrt Ihr, wo wir Euch überall helfen können.