und seine Frau Carina setzen auf das Vertrauen ihrer Kunden, die wertschätzen, was sie machen.
Das Interview haben wir im September 2026 geführt.
Auf dem Biohof von Familie Hoiß kauft die Kundschaft Rohmilchspezialitäten aus eigener Herstellung im Selbstbedienungs-Hofladen.
Hof in Alleinlage
Auf die schneebedeckten Alpen und über ganz Salzburg blicken Carina und Johannes Hoiß von ihrem Hof aus. Er liegt abgelegen auf 580 Metern Höhe in der Gemeinde Teisendorf im Berchtesgadener Land in Oberbayern. Die umliegenden Weiden bieten den 30 Milchkühen und 25 Jungtieren viel Auslauf. Ein Hof wie aus dem Bilderbuch. Nur bis zum nächsten Geschäft sind es gut sechs Kilometer. „Da können wir nicht einfach mal schnell zu Fuß Semmeln holen“, sagt Carina Hoiß.
Genuss vom Bauernhof
Mit Begeisterung fürs Selbermachen und Leidenschaft für die Landwirtschaft erzeugt Familie Hoiß Lebensmittel aus dem, was Land und Kühe hergeben. Käse und Joghurt kommen aus der Hofkäserei, der große Bauerngarten liefert Obst und Gemüse. Fleisch gibt’s von den eigenen Tieren, und in einem uralten Holzofen backt die Familie Brot. „Wir haben gestern gegrillt, und das waren alles Produkte von uns: Grillkäse, Käsekrainer, Dips und Saucen, Salate, Baguette. Da habe ich gedacht, wir speisen wie die Götter!“, sagt Carina Hoiß. Die gelernte Köchin ist stolz auf ihre Produkte. Und glücklich, dass ihr Traum Landwirtin zu werden, in Erfüllung gegangen ist.
Über Umwege zur Landwirtschaft
Ihr Mann, Johannes Hoiß ist zwar auf dem Hof großgeworden und hat immer mitgearbeitet - gelernt hat er aber Maurer. „Meine Eltern meinten, ich solle erst mal etwas anderes lernen. Sie hatten den Hof damals im Nebenerwerb und dachten nicht, dass Landwirtschaft eine ausreichende Perspektive für mich ist“, sagt Johannes Hoiß. Dass er mal den Hof seiner Familie übernimmt, stand für ihn trotzdem immer fest.
Biohof mit Käserei
2017 war es soweit, kurz nachdem Johannes Vater auf Bio umgestellt hatte. Carina und er begannen anschließend langsam mit der Vergrößerung des Betriebs. Das Paar hat drei Kinder, zwei Töchter und einen Sohn. Johannes Eltern wohnen mit auf dem Hof. Zusätzlich zu den Milchkühen hält die Familie einige Schweine. Daneben betreiben sie eine kleine Hundezucht. Seit ein paar Jahren gibt es die kleine Hofkäserei. „Erst mal wollten wir nur für uns Käse machen“, sagt Carina Hoiß. Es fragten so viele Leute nach, ob es die Produkte auch zu kaufen gebe, dass sie es spontan wagten, einen Hofladen zu eröffnen.
Selbstbedienungshofladen - Vertrauen zählt
Alle Waren sind mit Preisen ausgezeichnet, es liegt ein Taschenrechner auf dem Tisch, eine Liste zum Eintragen und eine Kasse mit Wechselgeld. „Wir wollen nicht mit Kartenzahlungen oder Automaten arbeiten. Wir setzen auf das Vertrauen der Kundschaft, die das wertschätzen, was wir machen“, sagt Carina Hoiß. Ganz ohne Kontrolle geht es leider nicht, deshalb ist der Verkaufsraum videoüberwacht.
Fokus aufs Tierwohl
Dass es den Tieren gutgeht, ist Familie Hoiß sehr wichtig. Deshalb setzt sie auf Weidehaltung und sorgt für eine hofnahe Schlachtung. „Die Kühe leisten Unglaubliches für uns und haben es verdient, dass wir sie bestmöglich halten und behandeln“, sagt Carina Hoiß. Ihr Mann ergänzt: „Wenn man in der Natur arbeiten kann, ist das ein Geschenk. Nur die Bürokratie und die Vorschriften müssten ein bisschen anders sein. Vieles ist für uns fast nicht mehr umsetzbar.“ Er findet, dass Landwirte viel tun für die Gesellschaft, die Natur und die Umwelt. Sie würden aber oft als die Bösen hingestellt. „Ich hoffe, dass sich da was verändert. Wir schauen, dass wir unseren Hof so transparent wie möglich machen. Uns ist es wichtig, dass die Leute sehen, was Landwirtschaft alles kann und wie vielfältig die Lebensmittel sind, die wir herstellen. Und dass das auch mit Tierwohl geht“, sagt Johannes Hoiß.
Rohmilchkäse aus den Bergen
Das Käsesortiment vom Biohof Hoiß kann sich sehen lassen: Schnittkäse – mit und ohne Kräuter, Weichkäse, Bergkäse, Joghurt, Quark, eingelegte Frischkäsebällchen – das dafür verwendete Olivenöl beziehen sie von einem Bauernkollegen in Griechenland. Das Besondere: Carina und Johannes Hoiß verarbeiten ihre unpasteurisierte Bio-Milch handwerklich und traditionell im Kupferkessel zu Rohmilchkäse. Ein Lieblingsprodukt der Kundschaft ist der Grillkäse. Der Großteil der eigenen Milch geht allerdings an die nahegelegene Molkerei Berchtesgadener Land. Von 250.000 Litern im Jahr verkäsen sie selbst 15.000 Liter Milch. Anfangs hatten sie auch als Lohnkäserei für andere Bauern gearbeitet. „Das war zeitlich für uns nicht mehr zu schaffen“, sagt Carina Hoiß.
Käsen lernen
Das Käsen haben sie von einem sehr guten Freund gelernt, der selber Käser ist und die Goldmedaille bei den World Cheese Awards gewonnen hat. Er beriet Carina und Johannes Hoiß und kommt auch heute noch ab und zu von seiner Alm auf den Hof. „Dann macht er bei uns Käse und ich kann ihm wieder über die Schulter schauen“, sagt die Bäuerin. Auch die Lebensmittelkontrolle haben sie angerufen und nachgefragt, was sie beim Einrichten einer Käserei beachten müssen. „Ganz bei Null sind wir nicht gestartet. Meine Mama hat früher auch schon Käse für den Eigenbedarf hergestellt und ein bisschen Know-how mitgebracht“, ergänzt ihr Mann.
Rohmilcheis im “To-go”-Becher
Das Sortiment im Hofladen wächst ständig. Das jüngste Produkt ist Rohmilcheis. „Das gibt’s weit und breit sonst nirgends“, sagt Carina Hoiß. Von allen Seiten sei sie vorher gewarnt worden: Es sei zu gefährlich. In Milch und Eis dürften sich keine krankmachenden Bakterien ausbreiten, das sei mit Rohmilch schwieriger einzuhalten als mit pasteurisierter Milch. Die Warnungen haben sie umso mehr angespornt, es auszuprobieren und gut zu machen. Die Lebensmittelkontrolle hatte sie von Anfang an ihrer Seite. Im Tiefkühler des Hofladens finden Kundinnen und Kunden nun Becher „to go“ mit etwa eineinhalb bis zwei Kugeln Eis und einem kleinen Holzlöffel.
Geht nicht, gibt's nicht
„Das Rohmilcheis schmeckt an sich schon fantastisch. Ich mache aber auch verschiedene Geschmacksrichtungen“, sagt Carina Hoiß. Die Pasten dafür stellt sie selbst her. Milch und Eis werden regelmäßig kontrolliert. Bisher waren alle Proben anstandslos. Erdbeereis ist ganz neu im Sortiment. Da hatten im Vorfeld auch alle gesagt, Milcheis funktioniere nicht mit Erdbeerfrüchten. Das müsse man mit Wasser und Fruchtpulver machen. „Geht nicht, gibt’s nicht“, ist zum Glück das Motto bei Familie Hoiß. Und wieder hat es geklappt. „Das Erdbeereis ist der Renner bei unserer Kundschaft!“ schwärmt Carina.
© VMB | Interview: Valeska Zepp | September 2026 | Foto: Biohof Hoiß