Trockenheit, Hitze und regional heftige Hagelereignisse prägen derzeit die Erntesaison in vielen Teilen Bayerns und Deutschlands. Während die ersten Grünlandschnitte in zahlreichen Regionen noch zufriedenstellende Erträge lieferten, zeigen sich mittlerweile deutliche Unterschiede: Ausbleibende Niederschläge bremsen das Wachstum der Folgeschnitte, regional kommen erhebliche Hagelschäden hinzu. Gleichzeitig steigt mit der Trockenheit das Risiko für Feld- und Vegetationsbrände während der Ernte.
Für Milchviehbetriebe sind solche Wetterextreme längst keine Ausnahme mehr. Nach den Hochwasserereignissen der vergangenen Jahre und den wiederkehrenden Trockenperioden gehört ein konsequentes Risikomanagement heute zur Betriebsführung. Viele Betriebe planen ihre Grundfutterversorgung inzwischen deutlich langfristiger und nutzen gute Erntejahre, um Futterreserven aufzubauen. Ziel ist es, Ertragseinbußen in trockenen oder nassen Jahren ausgleichen und die Futterversorgung der Herde absichern zu können.
Dennoch lassen sich außergewöhnliche Witterungsverläufe nicht vollständig kompensieren. Fallen Zweit- und Drittschnitt deutlich schwächer aus oder werden Silomaisbestände durch anhaltende Trockenheit und Hagel beeinträchtigt, steigen die Kosten für zugekauftes Grund- und Kraftfutter. Damit erhöht sich unmittelbar der wirtschaftliche Druck auf die Milchviehbetriebe.
Die Folgen reichen jedoch über den einzelnen Betrieb hinaus. Witterungsbedingte Ertragseinbußen beeinflussen langfristig auch die Entwicklung der Milchanlieferung. Bereits heute zeigen Marktbeobachtungen, dass Angebot und Nachfrage auf dem Milchmarkt sehr sensibel auf Veränderungen der Rohstoffverfügbarkeit reagieren. Im Frühjahr 2026 lag die Milchanlieferung in Deutschland zeitweise rund sechs Prozent über dem Vorjahresniveau und sorgte für Druck auf die Rohstoffmärkte. Gleichzeitig standen die Verarbeiter vor hohen Milchmengen und ausgelasteten Verarbeitungskapazitäten.
Wie sich die diesjährigen Wetterextreme auf den Milchmarkt auswirken, wird sich daher erst mit zeitlicher Verzögerung zeigen. Sollten die Futtererträge in mehreren Regionen geringer ausfallen und Betriebe ihre Produktion anpassen müssen, könnte dies die Milchanlieferung in den kommenden Monaten beeinflussen. Wie stark sich dies letztlich auf den Milchpreis auswirkt, hängt jedoch zusätzlich von internationalen Märkten, der Nachfrage nach Milchprodukten, Exportmöglichkeiten sowie der weiteren Witterungsentwicklung ab. Eine belastbare Preisprognose für 2027 ist zum jetzigen Zeitpunkt deshalb nicht möglich.
Gerade vor diesem Hintergrund gewinnt eine kontinuierliche Marktbeobachtung an Bedeutung. Aktuelle Entwicklungen bei Milchanlieferung, Milchpreisen sowie nationalen und internationalen Märkten liefern wichtige Hinweise, um betriebliche Entscheidungen frühzeitig anpassen zu können. Der Verband der Milcherzeuger Bayern stellt hierzu regelmäßig aktuelle Marktanalysen, Milchpreisentwicklungen und Einordnungen zur Verfügung, um Milchviehhalter bei ihren unternehmerischen Entscheidungen zu unterstützen.