Am vergangenen Wochenende war wieder einmal eine neue Episode im Machtkampf Aldi vs. Lidl (oder umgekehrt?) angesagt. Als Tatwerkzeug diente einmal mehr die Deutsche Markenbutter - obwohl vom Markt her die "Butterkanone" eigentlich gar nicht scharf resp. negativ geladen war. Nachdem die Fett- und Rahmpreise, anders als die Eiweißseite, um die Monatswende September/Oktober leicht gebröckelt waren, Richtung 4,5 ct/Fetteinheit, hatten sich die Notierungen in den vergangenen Wochen wieder erholt, kratzten zuletzt wieder an der Marke zu 5 ct/FE. Und Weihnachten steht bekanntlich auch vor der Tür, immer noch eine Hochphase des Butter- und Sahnefettverbrauches. Bei solchen Selbstläufern käme kaum ein normaler Kaufmann auf die Idee, die Preise abzusenken statt die saisonale Nachfragesteigerung "dankend mitzunehmen". Völlig undenkbar auch, dass die Touristikunternehmen in der Hauptferienzeit die Preise für Urlaubsreisen absenken!
Das alles "kratzte" allerdings den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) herzlich wenig: In einer wahren "Nacht- und Nebel-Aktion" hat am vergangenen Freitag, 30. Oktober 2026, der zur Schwarz-Gruppe gehörende Discounter Lidl die Butterpreisschmelze ausgepackt und den geltenden Endverbraucherpreis (EVP) für seine Eigenmarke "Milbona" von bisher 1,19 Euro/250 g auf 1,15 Euro/250 g zurückgenommen. Nur schlappe 3 Prozent, aber Hauptsache eine Preisrücknahme und die eigene “Preisführerschaft” konnte kommuniziert werden! Interessant dabei erneut die Chronologie der Preisrücknahme: Die Pressemeldung von Lidl datiert vom 30. OKT um 22.20 Uhr! Als erster "Verfolger" reagierte dann Norma am folgenden 31. OKT um 9.38 Uhr, anschließend der restliche LEH, angeführt von Aldi.
Nachdem der "Markt" nur bedingt als Begründung für die jüngste Preisrücknahme aufgeführt werden kann, sind die (niederen?) Beweggründe wohl einmal mehr an anderer Stelle zu suchen. Bei der letzten Preisanpassung am 15. September von bis dahin 1,05 Euro/250 g auf 1,19 Euro/250 g preschte Aldi vor - und Lidl & Co. mussten nachziehen. Im April 2026 wollte Aldi den EVP auf "nur" 1,09 Euro/250 g zurücknehmen, um tags darauf von Lidl mit 1,05 Euro/250 nochmals unterboten zu werden. Darüber hat der VMB hier berichtet. Und auch abseits der Butterfront geht es in den vergangenen Monaten zwischen Aldi und der Schwarz-Gruppe recht ruppig zu: Während der ebenfalls zur Schwarz-Gruppe zählende "Kaufland" seit Wochen mit "Deutschlands besten Preisen" wirbt, weist Aldi seinerseits darauf hin, dass die eigenen Sonderpreise ausschließlich ohne die "App-Rabatte" gewährt werden, also ohne eine gesonderte Registrierung, wie bei der Konkurrenz bei einem Teil der Rabatte vonnöten!
Wie wirkt sich die neuerliche Preissenkungsaktion bei Markenbutter auf die Milchpreise aus? Für die aktuell laufenden Listungsverhandlungen der "weißen Linie" sicherlich nicht die allerbeste Unterstützung, zumal neben den Milcherzeugern diesmal sogar die Verarbeiter ganz dringend einen spürbaren Preissprung nach oben einfordern. Die Milchpreise steigen aber weiter leicht an, bis Jahresende 2026 (also Milchpreis für DEZ 2026) sind bei der ein oder anderen bayerischen Molkerei bereits 45 Ct/kg netto, Haltungsstufe 2, bei 4,2 & Fett vereinbart.